Borders Express Key West (c) 2011 ehlingmedia

Borders Express Key West (c) 2011 ehlingmedia

„What a Difference a Day Makes“ sang Dinah Washington einst – und für die US-amerikanischen Verlage wird derzeit der Text umgeschrieben zu “What a Difference Borders Makes“. Denn die Insolvenz des zweitgrößten US-Buchhändlers schlägt inzwischen voll durch bei den Umsätzen der US-Verlage. Wie die Association of American Publishers (AAP) berichtet, ging im April der Umsatz mit gedruckten Büchern gewaltig in den Keller.

Wie ich schon berichtet hatte, musste Borders Mitte Februar Insolvenz anmelden und flüchtete sich unter den Schirm des „Chapter 11“ des US-amerikanischen Insolvenzrechts, der Schutz vor dem sofortigen Zugriff der Gläubiger gewährt und die Restrukturierung bei laufendem Geschäftsbetrieb ermöglicht. Seither hat Borders mehr als 200 seiner ursprünglich 565 Filialen geschlossen, tausende Mitarbeiter sind auf der Straße gelandet.

Das hat Folgen, denn Borders konnte rund 8 Prozent des gesamten US-Buchhandelsumsatzes auf sich vereinen. Vor allem der Publikumsmarkt leidet heftig: Hardcover verloren 22,7 Prozent, Taschenbücher verloren 25,4 Prozent, Massenmarkt-TB sogar 41,6 Prozent. Lediglich die Sparte „Young Adults“ konnte 1,5 Prozent zulegen, Taschenbücher in diesem Bereich verloren 7,2 Prozent.

Die Zahlen der AAP basieren auf den Angaben von jeweils rund 20 Verlagskonzernen, darunter sind aber auch die „Big Six“ (Penguin, Hachette, Random House, Simon & Schuster, Macmillan und HarperCollins), die einen großen Teil des Publikumsmarkts unter sich aufteilen. Allein diesen sechs Konzernen schuldete Borders zum Zeitpunkt der Insolvenz mehr als 180 Millionen US-Dollar. Problematisch für die Gläubiger: Sie können weder die Bücher zurückfordern, die sie bis dahin an Borders geliefert hatten, noch haben sie Zugriff auf das Geld, das mit dem Verkauf ihrer Bücher während der Ladenschließungsverkäufe eingenommen wird. Derzeit wird Borders grundsätzlich nur gegen Vorkasse beliefert.

Najafi: Nach den Bertelsmann-Clubs jetzt Borders?

Wie die Borders-Entwicklung weitergeht, ist nicht abzusehen: Angeblich kreisen wenigstens zwei Finanzinvestoren über dem kränkelnden Riesen, darunter auch Najafi, das Unternehmen, das sich in den vergangen Jahren intensiv bei der Bertelsmann Direct Group bedient hatte und heute der größte Buchclub-Betreiber der Welt ist. Zum 1. Juli will das Borders-Management einen Käufer präsentieren, bis Ende Juli soll der Deal dann über die Bühne gegangen sein. Falls das nicht klappen sollte, so wurde gegenüber dem zuständigen Insolvenzgericht erklärt, bleibt nur noch die Liquidation zum Datum 29. Juli.

Ebooks sind das drittstärkste Segment im US-Buchmarkt

Ganz anders sieht es übrigens aus beim Ebook-Verkauf: Im April stand ein Plus von 157,5 Prozent zu Buche – das machte einen Gesamtumsatz von 72,8 Millionen US-Dollar aus. Damit sind Ebooks das drittstärkste Sement im US-Buchmarkt, hinter Hardcover und Taschenbuch, aber deutlich vor Religion.

Für die ersten vier Monate des Jahres meldet die AAP sogar einen Umsatzanstieg der Ebooks um 162,9 Prozent auf 312,9 Millionen US-Dollar. Demgegenüber sank der Umsatz gedruckter Bücher in den fünf Kategorien des Publikumsmarkts um satte 18,7 Prozent.