Google, Buchmessen, Japan und Spanien haben wir heute im Angebot – ich hoffe, es findet Ihre Zustimmung.

ADIBF

ABu Dhabi International Book Fair (c) ADIBF 2011

Diese Woche stand ganz im Zeichen der Ablehnung des Google Book Settlement durch das New Yorker Bezirksgericht, und ich hatte dazu ja auch schon hier im Blog berichtet. Dazu hat sich natürlich ein branchenweiter Sturm der Kommentare erhoben, was mich dabei aber stört, ist die Häme, die da bisweilen über Google ausgegossen wird, zumal von solchen Kolleginnen und Kollegen in der Publikumspresse, die offensichtlich das Urteil gar nicht gelesen haben. Denn dort steht mitnichten zu lesen, dass Google auf ewige Zeiten sein Vorhaben zur Digitalisierung von Büchern untersagt ist – ganz im Gegenteil: Richter Denny Chin erklärt sehr deutlich, was für ihn die Voraussetzung zur Genehmigung der Sache ist:

… many of the concerns raised in the objections would be ameliorated if the ASA were converted from an opt-out settlement to an opt-in settlement. I urge the parties to consider revising the ASA accordingly.

Die Abkürzung ASA steht für „Amended Settlement Agreement“ und bezeichnet eben das Abkommen zwischen Google einerseits und der US-amerikanischen Author’s Guild und dem US-Verlegerverband AAP, das Gegenstand der Verhandlung war.

Dies bedeutet nichts anderes als dass die „Opt-In“-Klausel, wonach jeder Urheber seine Zustimmung zur Digitalisierung geben muss, in eine Überarbeitung einfließen muss, die dann am 25. April bei der gerichtlichen „Settlement Conference“ (einige Helden des Vokabeltests haben daraus eine Pressekonferenz gemacht) vorgelegt wird. Dies dürfte bedeuten, dass tatsächlich in nicht allzu ferner Zeit eine brauchbare Möglichkeit für Google gegeben sein wird, mit seinen Digitalisierungsvorhaben fortzufahren.

Für die Verlage, die sehr zurecht gegen die jetzt abgelehnte Form des Google Book Settlement protestiert hatten, bedeutet dies, dass der leistungsfähigste, kostengünstigste und mit Abstand wirtschaftlich potenteste Partner zur Digitalisierung von Backlist-Titeln dann zur Verfügung stehen wird. Wir werden erleben, dass ein verändertes Google Book Settlement zu einem sehr großen Ansturm auf die Digitalisierungsleistungen von Google führen wird.

Leipzig2011-3 PR_Buch11_4072Impressionen des Digitalen Wohnzimmer auf der Leipziger Buchmesse 2011 Foto Leipziger Messe GmbH  Stefan Hoyer

Leipziger Buchmesse (c) 2011 Leipziger Messe GmbH / Stefan Hoyer

Die Leipziger Buchmesse haben wir hinter uns gebracht, der Salon du Livre in Paris ist ebenso Vergangenheit, die Buchmesse in Abu Dhabi auch (ich berichte demnächst über die Situation der arabischen Buchmessen und Buchmärkte), und am Montag beginnt schon die Kinderbuchmesse in Bologna. Gute Zeiten also für Vielflieger. Ich habe für die Website der Deutschen Welle einige der wichtigsten Buchmessen der Welt portraitiert – schauen Sie mal rein, falls es Sie interessiert.

Der New Yorker Literaturagent Kay Ohara hat das Erdbeben in Japan miterlebt und berichtet bei Publishers Weekly von der Reaktion der japanischen Buchhändler und Verlage auf die Katastrophe. Natürlich kommt niemand auf die Idee, jetzt schnell einen Bildband zum Tsunami auf die Druckerpressen zu legen, aber es scheint, als ob die Kollegen dort mit bewundernswerter Ruhe an die Aufräumarbeiten gehen. Vor allem Druckereien und Hersteller von Druckfarbe sind betroffen, ebenso haben Distributionszentren ihre Arbeit einschränken müssen. Ohara berichtet, dass mehrere unabhängige Buchhandlungen zerstört wurden und einige Buchhändler möglicherweise zu den Opfern zählen. Verlage und Buchhändler haben angekündigt, sich an der Ausstattung von Schulen zu beteiligen oder spenden Geld an Hilfsorganisationen.

Der Bericht vermeidet jegliche Betroffenheitsrhetorik und mag manchen deshalb als unangemessen erscheinen. Trotzdem empfehle ich die Lektüre.

Aus Spanien hören wir, dass Herr Özil auf den Fußballplätzen Begeisterungsstürme entfacht. Im neuen Ebook für Kinder über die Heldentaten der Spieler von Real Madrid wird der Editorial Everest wohl auch nicht umhinkommen, Jogis Hoffnungsträger angemessen zu päsentieren. Everest hat sich, neben allfälligen Bildbänden und Kinderbüchern auf eine Kooperation mit Real Madrid verständigt, möglicherweise auch eine schöne Geschäftsidee für Verlage andernorts.

Ach ja, und zuletzt noch der unabdingbare Hinweis auf ein epochales Interview, das die bemerkenswerte Wenke Richter (@digiwis) in Leipzig mit mir geführt hat: Holger Ehling in Leipzig