Blick in die Glashalle zur Leipziger Buchmesse 2011 Foto Leipziger Messe GmbH Norman Rembarz

Leipziger Buchmesse 2011 (c) Leipziger Messe GmbH/Norman Rembarz

Die Woche war natürlich geprägt von der Leipziger Buchmesse. Wir winken fröhlich zum Abschied und versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Und dann schauen wir uns in der Welt um und erzählen Ihnen etwas aus der Schweiz und aus den USA und aus Irland und aus Vietnam und aus Brasilien.

Über Sinn und Unsinn der Buchpreisbindung kann man trefflich streiten, ich persönlich halte sie grundsätzlich für gut und sinnvoll und erhaltenswert. Endlich haben sich auch die Gesetzgeber in der Schweiz dazu durchgerungen, die Preisbindung erhalten zu wollen – die war in den vergangenen Jahren ausgesetzt gewesen. Zuletzt war ein Kompromiss vorgeschlagen worden, der alle Buchhändler zur Preisbindung verpflichtet hätte, nicht aber Anbieter im Internet. Diese spezielle Form helvetischen Rinderwahns bleibt jetzt aber doch im Chuchichäschtli. Immerhin wollen die Marktliberalen jetzt ein Referendum gegen die Preisbindung anstreben, das von Billigspezialisten Ex Libris und seiner Muttergesellschaft Migros unterstützen.

Amazon steht Ärger ins Haus – wegen Steuern. Der Hintergrund: In den USA umgehen viele Kunden die lästige „Sales Tax“ durch den Einkauf bei Online-Händlern. Denn es gilt, dass jedes Unternehmen, das in einem der Bundesstaaten eine Filiale unterhält, die in diesem Staat jeweils gültige Sales Tax erheben und abführen muss. Allerdings ist dafür eine physische Präsenz gefordert – für Online-Händler wie Amazon ist dies ein eingebauter Wettbewerbsvorteil, denn der stationäre Einzelhandel muss durchschnittlich 8 Prozent aufschlagen. Die Kunden, die den Vorteil wahrnehmen, sind zwar eigentlich gehalten, die fällige Steuer selbst abzuführen, kontrollieren kann man dies allerdings wohl nicht.

Impressionen vom Messestand des Knaur Verlag, München Foto Leipziger Messe GmbH Norman Rembarz

Leipziger Buchmesse 2011 (c) Leipziger Messe GmbH/Norman Rembarz

Jetzt drängen die Bundesstaaten, durch deren Säckel das Präriegras rollt, auf Gesetzesänderungen: Künftig sollen auch die Online-Händler die staatlichen Verkaufssteuern einsammeln und abführen, und zwar nach Maßgabe des Wohnsitzes der Kunden. Aus Texas erhielt Amazon sogar eine Steuerrechnung in Höhe von 269 Millionen Dollar, weil das Unternehmen dort ein Verteilzentrum betreibt. Das wird von den dortigen Steuerbehörden als Filiale bewertet. Amazon hat jetzt angekündigt, sich aus Texas zurück zu ziehen – ob das dauerhaft hilft, ist wohl zu bezweifeln. Immerhin darf Uncle Sam ausnahmsweise einmal mit Applaus rechnen, und zwar von Seiten des stationären Einzelhandels.

Borders in den USA unter Insolvenzschutz, Whitcoulls/Angus & Robertson in Australien und Neuseeland pleite, British Bookshops in Großbritannien pleite, Waterstones und WH Smith in der Krise: Der Buchhandel in den englischsprachigen Ländern kriecht auf dem Zahnfleisch. Da wollen die Iren nicht abseits stehen: Beim Filialisten Easons haben sich 60 leitende Mitarbeiter in einem Misstrauensvotum gegen Geschäftsführer Conor Whelan ausgesprochen. Der hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen satten Umsatzrückgang um 16,4 Prozent auf 313,6 Millionen Euro und einen operativen Verlust von knapp 10 Millionen Euro eingefahren. Jetzt soll durch massive Einsparungen die Bilanz aufgehübscht werden – die Harakiri-Manager von Borders lassen grüßen. Übrigens: Auch Whelan gelangte an die Spitze dieser Buchhandelskette ohne Branchenerfahrung – vorher war er Manager beim Einzelhandelskonzern Spar. Auch damit orientieren sich die Iren am Vorbild aus den USA. Und wir wundern uns.

„… und ein Sack Reis in Vietnam ist auch noch umgefallen“ – ja ja, ich weiß wohl, dass Ihnen der Buchmarkt in Vietnam jetzt nicht ein sooo drängendes Anliegen ist. Umso netter finde ich es, dass der geschätzte Kollege Paul Biba einen kurzen Blick in diesen doch recht entlegenen Winkel der Bücherwelt wirft und uns vom Start des dortigen Ebook-Markts berichtet. Der Verlag Tre hat sich mit dem Mobilfunkanbieter VTM Mobile zusammengetan um die Leser am Mekong zu beglücken. Dabei setzt man auf Niedrigpreise, um die Versuchung zum Raubkopieren gar nicht erst aufkommen zu lassen: Ab einem Preis von 1.000 Dong sollen die Ebooks erhältlich sein. Das ist wirklich SEHR billig: 1 Euro ist 29.000 Dong wert (nein, ich habe mich nicht vertan bei den Nullen).Wir wünschen von Herzen: Chúc may mắn.

In der vergangenen Woche hatten wir über die eher verhaltenen Jahreszahlen der Verlage in Brasilien berichtet. Der Buchhandel in dem Riesenland steht durchaus besser dar: Nach Mitteilung des Buchhandelsverbands Associação Nacional de Livrarias (ANL) stieg der Umsatz in 2010 um 9,6 Prozent. Dabei bleibt das elektronische Geschäft von nachrangiger Bedeutung: Auf unter 8 Prozent des Gesamtmarkts wird der Anteil des Online-Handels beziffert. Der Verband stützt sich dabei auf Angaben von Mitgliedsbetrieben – auch interessant: Konkrete Zahlen, die einen Wert des Markts darstellen würden, verschweigt der Verband. Da hatte man wohl auch die scharfe Lesebrille der brasilianischen Steuerbehörden im Hinterkopf. Die vollständige Meldung (in portugiesischer Sprache) finden Sie HIER.