Warum veranstaltet man eine Buchmesse? Die Antwort auf diese Frage ist, je nach Interessenlage unterschiedlich. Kulturpuritaner verlangen, eine Buchmesse habe vor allem dem Guten, Schönen, Wahren zu dienen. Zahlenfexe erwarten eher, dass eine Buchmesse den guten schönen Waren zu dienen habe.

„Wir sind dafür da, unseren Ausstellern ein gutes Geschäft zu besorgen“, sagt Nubia Macias, die Chefin der Buchmesse in Guadalajara, die mit Energie und Hartnäckigkeit ganz wesentlich beigetragen hat zum enormen Wachstum, das die Messe in den vergangenen Jahren hingelegt hat. Und dabei ist die Messe selbst profitabel: „Wir bekommen keine Subventionen, im Gegenteil: Wir sind zu einem signifikanten Wirtschaftsfaktor für die Region geworden“.

Nubia Macias © 2010 Cortesía FIL Guadalajara / Pedro Andrés

Nubia Macias © 2010 Cortesía FIL Guadalajara / Pedro Andrés

Grundsätzlich gilt: Die meisten Buchmessen auf der Welt sind Zuschussbetriebe. Entweder werden Sie von Verlegerverbänden betrieben, als Serviceleistung für die Branche. Von solchen Veranstaltungen gibt es viele – die Frankfurter Buchmesse sei an erster Stelle genannt. Oder öffentliche Institutionen leisten sich ein Prestigeprojekt – Leipzig lässt grüßen. Die dritte Variante ist, dass private Messeveranstalter einen Profit erwirtschaften wollen, oder wenigstens einen nicht allzu üppigen Verlust, der dann gegen profitablere Events aufgerechnet werden kann. Diese Veranstalter sind allerdings dünn gesät. Und neben Reed Exhibitions, dem mit Abstand größten Messeveranstalter der Welt, leistet sich auch die Universidad de Guadalajara eine Buchmesse. Was in Europa Erstaunen hervorrufen würde, ist in Mexiko normal: Die großen Universitäten des Landes haben allesamt große Beteiligungsportfolios, und die Uni Guadalajara betreibt neben der Buchmesse auch Rundfunksender, hat einen Ableger in Los Angeles und ist sogar im Profifußball aktiv. Und im Frühjahr 2011 wird man in Los Angeles sogar eine eigene spanischsprachige Buchmesse für den großen US-Markt starten.
Zu Beginn der Buchmesse macht Nubia Macias die Rechnung auf:

1.900 Aussteller aus 40 Ländern
608.000 Besucher an 9 Messetagen
33 Millionen Pesos Umsatz der Aussteller durch Buchverkäufe
80.000 Übernachtungen von Besuchern und Ausstellern in der Region Guadalajara
240 Autobusse pro Tag, die allein für das Programm FIL Ninos eingesetzt werden
3,6 Milliarden Pesos: Wert der Buchmesse für die Region Guadalajara

Messebau, Sicherheitskräfte, Aushilfs- und Hostessendienste, Catering und so weiter schlagen sich ebenfalls positiv nieder als „Umwegrendite“ in der Region. Ähnlich verhält es sich auch bei Buchmessen in Deutschland: Die Zuschüsse, die den Messegesellschaften aus öffentlichen Mitteln zufließen (nur die Frankfurter Messe GmbH ist profitabel) werden allemal durch die Einkünfte wett gemacht, die in die jeweiligen Städte und Regionen fließen.

FIL 2010 © Cortesía FIL/Diego Zavala Scherer

FIL 2010 © Cortesía FIL/Diego Zavala Scherer

Zwischen 65 und 70 Millionen Pesos kostet es, die Buchmesse in Guadalajara zu organisieren: Personalkosten, Miete des Veranstaltungsgeländes, Werbekosten etc. sind auch in Mexiko nicht von Pappe. Dem steht ein Umsatz der Messe in Höhe von wenigstens 68 Millionen entgegen. Will sagen, dass die Profite sicherlich nicht in den Himmel wachsen. Aber in Sack und Asche müssen Nubia Macias und ihre Kollegen beileibe nicht gehen.

Gespräch im Deutschlandfunk zur FIL Guadalajara