Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat erkannt, dass den Wandlungen in der Branche nur mit beherztem Design begegnet werden kann. Deshalb hat er sich selbst und seinen Töchtern, also der weltberühmten  “Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins” (Eingeweihten unter dem Pseudonym “Frankfurter Buchmesse” geläufig) und dem Dienstleister MVB, der für Börsenblatt, libreka! und VlB verantwortlich zeichnet, ein neues Logo samt Corporate Design spendiert. Der rote Pfeil aus Frankfurt verspricht Vieles: Wenn man den allfälligen Design-Handbüchern glauben darf, dann haben wir es zukünft mit einem Verband zu tun, der sich durch Offenheit und Dynamik auszeichnet. Passend dazu gibt es auf der Website dann auch ein Video, dass uns in die neue Welt des Verbands einführt.

Ich bin kein großer Freund von gefälligem Posieren, und die Erläuterungen von Designern zur Philosphie und Symbolkraft ihrer Entwürfe lässt mich meistens erschauern, falls sie nicht gleich als Slapstick gewertet werden können. Der Anspruch, der sich mit dem neuen Design verbindet ist jedenfalls gewaltig – die Überschrift zur PR-Meldung ist ziemlich eindeutig:

Die Börsenvereinsgruppe: Wegweiser für Vitalität und Zukunftsfähigkeit der Buchbranche

Begründet wird die Notwendigkeit zur Veränderung aus den Veränderungen in der Branche:

Aus der klassischen Buchform wird ein Symbol für das Prinzip Buch. Es abstrahiert und visualisiert, dass Inhalte in vielen Erscheinungsformen angeboten werden – als Print-Bücher, E-Books, Hörbücher oder für mobile Endgeräte. Das neue Corporate Design bildet damit ein Dach – für die Börsenvereinsgruppe und die moderne Buchbranche.

Ich stimme dieser Argumentation grundsätzlich zu: Wir sollten bei der Diskussion um die Zukunft des Buches nicht den Fehler begehen, die Inhalte mit den Trägermedien zu identifizieren. Der geistige Gehalt eines Buches ist nicht an das Papier gebunden, auf dem er uns vermittelt wird – er spricht zu uns, indem er von seinem Träger in unser Herz und Hirn eindringt. Ob der Begriff “Prinzip Buch” glücklich ist, darüber mag man streiten; in Ermangelung einer besseren Alternative ist er durchaus tragfähig.

Ob man zur Einführung des Begriffs vom “Prinzip Buch” aber tatsächlich ein neues Corporate Design gleich über den ganzen Minikonzern ausgießen muss, daran wird besonders von Buchhändlern seit der vergangenen Woche heftiger Zweifel geübt. Dabei sollten sie sich aber daran erinnern, dass Veränderungen im Design durchaus glückhaft sein können: Die Älteren unter uns werden sich daran erinnern, welche Erleichterung die Republik erfasste, als die Telekom endlich rosafarbene Telefonhäuschen aufstellte – die alten gelben Vorläufer hatte ja kein Mensch benutzt, weil niemand wusste, was man mit den Dingern anfangen sollte, Briefkastenschlitze hatten sie ja nicht.

Jetzt sind auch wir nicht mehr gefesselt durch die alten Logos des Börsenvereins oder der Frankfurter Buchmesse. Glaubt man den Strategen von Unternehmen wie Borders in den USA, Waterstone’s in Großbritannien oder unseren heimischen DBHs, dann muss man ja vor allem Spielzeug und Postkarten und Kindermalkästen verkaufen, um als Buchhändler erfolgreich zu sein. Der geschäftliche Erfolg der Genannten liefert ja dann auch eindrucksvolle Beispiele für die durchschlagende Wirkung dieser Strategie.

Nicht zuletzt in Sachen Verkaufsförderung dürfte das neue Logo hilfreich sein: Jetzt kann man von neuer Laufkundschaft profitieren, die nicht mehr durch ein Bücherlogo vom Betreten des Ladens abgehalten wird. Mit der Offenheit und Dynamik des neuen Logos ist es endlich gelungen, auch diejenigen Kunden anzusprechen, die eigentlich einen Schuhladen oder ein Elektrogeschäft gesucht haben: Denn das ist der besondere Charme von Logos, die unspezifisch und austauschbar sind – man verwirrt den Kunden so lange, bis er aus purer Irritation zum Käufer wird. Möglicherweise kauft er vorwiegend im Nonbook-Sektor, aber wir verweisen noch einmal auf das Beispiel der Großen des Buchhandels, die diesen Bereich sowieso als zukunftsträchtig ausgemacht haben. Wir sind jetzt jedenfalls gewiss, dass Buchhandel und Verlage demnächst sowas von pfeilmäßig abgehen werden, also ehrlich…

Nachtrag: Der Kollege Leander Wattig hat sich in seinem Blog ebenfalls Gedanken zum Thema “Prinzip Buch” gemacht. Ich empfehle den Beitrag zur angelegentlichen Lektüre!