Bathroom Library c Kathy Galbraith

Bathroom Library (c) Kathy Galbraith

Manchmal staune selbst ich noch über den Einfallsreichtum von Büchernarren: Während man ja bei den allfälligen Buchmessen der Welt heutzutage seine Krawatten-Originalität vor allem dadurch beweisen kann, dass man KEINE Bücherkrawatte trägt, sind Badezimmer ja zumeist noch ausgenommen von der Verbücherung der Lebensumwelt. Kathy Galbraith konnte dies wohl nicht länger ertragen und hat sich mit der „Bathroom Library“ zu Worte gemeldet. Wir bedanken uns bei dem US-Blog „Book Oasis“ für den Hinweis und bei Kathy Galbraith für die  schöne Idee.

Damit aber zu den eigentlichen Geschichten aus der Bücherwelt. Aus Riad hören wir von Tumulten bei der dortigen Buchmesse: Einige Dutzend Herren in weißen Gewändern und langen Bärten machten dort am Mittwoch Randale, weil einige der auf der Messe angebotenen Bücher anti-Islamisch seien, und vertrieben weibliche Messebesucher. Angesichts der drakonischen Zensur, welche  die saudi-arabische Religionspolizei bereits jetzt den Büchern angedeihen lässt, die im Land angeboten werden, sind nun viele arabische Verleger besorgt über die Entwicklung, die dieser größte Absatzmarkt der arabischen Welt nehmen könnte: Sollte der sowieso beinhart anmutenden Religionsauslegung der Wahhabiten jetzt eine noch steinzeitlichere Variante Konkurrenz machen, sehen viele Verleger ihre Felle davon schwimmen.

Deutlich lebenslustiger als in Saudi-Arabien geht es in Brasilien zu, das weiß der brave Nachrichtenzuschauer zumindest durch die Bilder zum gerade beendeten Karneval. Aus Brasilien hören wir, dass laut einer Studie der Fipe (Fundação Instituto de Pesquisas Econômicas) der Buchmarkt im Jahr 2009 um 2,1 Prozent gewachsen ist und auf einen Wert von 1,94 Milliarden US-Dollar beziffert wurde. 52,510 Titel wurden produziert mit einer Gesamtauflage von 386 Millionen Exemplaren. Da möchte man doch gerne Applaus spenden für den Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2013, wenn, ja wenn da nicht die Kleinigkeit der Inflationsrate ins Spiel käme. Die betrug nämlich im Jahr 2009 in keinem Monat weniger als 4 Prozent und dümpelte im Jahresschnitt an der 5-Prozent-Marke herum. Will sagen: eigentlich steht für die Branche inflationsbereinigt ein sattes Minus zu Buche. Gleichzeitig fiel der Durchschnittspreis, der für Bücher gezahlt wurde, auf nur noch 11,11 Real – das sind gut 15 Prozent weniger als 2004.

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Brazilian Book Market by Segment 2009 / Value (c) Publish News Brazil

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Brazil Book Production by Segment 2009 / Units (c) Publish News Brazil

Auch interessant für Beobachter aus Europa: Gut 48 Prozent der Buchproduktion betraf Schulbücher für die Unter- und Mittelstufen und somit in staatlichem Auftrag. Damit reiht sich Brasilien, der mit Abstand größte Buchproduzent Lateinamerikas, nahtlos ein in die Prekariatsabteilung derjenigen Länder, in denen die Buchbranche für ihr Überleben auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen der staatlichen Ankäufer setzen muss. Falls Sie mehr wissen wollen über den Buchmarkt in Brasilien empfehle ich das kostenlose Abo des Newsletter PublishNewsBrazil, der von der Frankfurter Buchmesse finanziert wird.

Es ist ziemlich genau 40 Jahre her, seit Michael S. Hart das erste elektronische Buch produzierte: Er wählte dafür den Text der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. In den USA wurde deshalb die gerade zu Ende gehende Woche (jedenfalls bei interessierten Kreisen) als „Read-an-Ebook-Week“ begangenen. Dass die gesamte Branche derzeit kaum ein anderes Thema kennt als eben diese Ebooks, zeigt durchaus die phänomenale Dynamik auf, die uns Büchermachern eigen ist.

Ian Rankin

Ian Rankin (c) Tim Duncan

À propos Dynamik: Der schottische Serienmörder Ian Rankin, aus dessen Feder angeblich 10 Prozent aller in Großbritannien verkauften Krimis stammen, hat die Vorteile von Twitter entdeckt. Das fühle sich an wie ein Großraumbüro voller kluger und witziger Leute mit ständigem Zugang zu lokalen und internationalen Nachrichten. Angesichts solchen Lobs verweisen wir auf den Account von Ian Rankin, der unter dem Namen seiner alten Schule twittert: @beathhigh; nicht ohne zu vergessen, dass wir selbst natürlich auch zwitschern, und zwar unter @holgerehling.

Zum Schluss gratulieren wir zwei frischen 80ern: Rupert Murdoch, Chef des Medienkonzerns News Corporation, zu dem solch illustre Namen wie die Londoner „Times“ und „Sunday Times“, die „Sun“ und die „News of the World“, die „New York Post“ und das „Wall Street Journal“ ebenso gehören wie der Verlag HarperCollins und die Bezahlsendergruppe Sky, der Krawall-Nachrichtensender Fox News und neuerdings die iPad-Zeitung „The Daily“, Rupert Murdoch also wird heute 80. Der gebürtige Australier, der aus geschäftlichen Gründen US-Bürger wurde und sich in England des liebevollen Beinamens „Dirty Digger“ erfreut, denkt allerdings angeblich noch nicht ans Aufhören. Wie es heißt, wolle er auch noch die „New York Times” und die „Financial Times” irgendwann übernehmen.

Der zweite Octogenarius ist nicht ganz so weltumspannend aktiv, auch wenn sein Imperium heute auch ganz schön groß ist: Horst Eckert wird heute ebenfalls 80. Der Name sagt Ihnen nichts? Gut, das war unfair, bekannt ist er als Janosch. Sie wissen schon, der mit dem kleinen Tiger und dem Bären und der Maus Schimanski und der Tigerente. Wir gratulieren artig.