Liebe Gemeinde,

ich hoffe, Sie haben die Ostertage gut überstanden und blicken erfrischt auf die Neuigkeiten von unserem Lieblingsmonster.
Heute geht es um Malerei, keinen Schnaps, Fliegerei, Godzilla und mehr.

AmazonMalt mal schön: Welches Buch verkauft sich derzeit bei Amazon in den USA am besten? Nein, was immer Sie jetzt geantwortet haben, war falsch. Oder haben Sie tatsächlich schon einmal ein Werk von Joanne Basford in der Hand gehabt? Die junge Schottin produziert Ausmalbücher für Erwachsene und räumt damit richtig ab: Ihr Erstling The Secret Garden ging 1,4 Millionen mal weg, der Nachfolger The Enchanted Garden liegt auch schon bei gut 226.000 verkauften Exemplaren.
Angeblich greifen Erwachsene zu den Ausmalbüchern, weil das ganz wunderbar entspannt. Diese Entspannung sei gerne gegönnt.

Nix Prost: Seit September des vergangenen Jahres dürfen sich Amazon-Kunden auch in Deutschland in den unendlichen Regalen des Onliners nach Lebensmitteln umschauen. Amazon Fresh heißt der Dienst; warum irgendjemand Äpfel online kaufen sollte, ist mir zwar schleierhaft, aber wer bin ich schon, anderen Leuten zu erzählen, wo sie was kaufen sollen…
In den USA hat Amamzonfreshazon jetzt aber einen empfindlichen Schnitt gemacht: Schnapsnasen gehen künftig leer aus, Alkohol ist aus den Regalen geräumt. Seit 2008 hat die Firma damit zwar gute Umsätze gemacht, sich aber immer öfter Ärger eingefangen, weil eine Reihe von US-Bundesstaaten den Online-Verkauf von Alkohol verboten haben, wegen der Volksgesundheit und weil man ja nicht wirklich kontrollieren kann, ob sich da nicht irgendwelche durstigen Teenies mit der elterlichen Kreditkarte den nächsten Rausch bestellen.
In Deutschland ist der Bölkstoff aber weiterhin lieferbar. Kein Grund also für Panikattacken.

Schützen-Hilfe: Wer in Großbritannien am Tontaubenschießen interessiert ist, findet demnächst wohl lohnenden neue Ziele zum Üben. Weil nämlich die US-Luftfahrtbehörde sich weiterhin bockig stellt in Sachen Testerlaubnissen, will Amazon jetzt vor allem im Königreich seine Prime-Air-Liefergeräte ausprobieren. Die konservative Regierung ist jedenfalls gegenüber Amazons Wünschen recht gefügig und verkauft das natürlich als Offenheit für Innovationen. Wobei wir nicht vergessen dürfen, dass am 7. Mai in Großbritannien gewählt wird. Da nutzt man natürlich jede Gelegenheit, sich mit schicken Firmen zu schmücken, die irgendwas Neues auf der Insel ausprobieren wollen.

Gesetzestreue: Weniger gefügig zeigt sich die Europäische Kommission, die jetzt wohl endlich die seit langem angekündigte Untersuchung zu den Geschäftspraktiken von Onlinehändlern starten will. Angeblich haben besonders Deutschland und Frankreich die Untersuchung angestoßen, die sich auf alle 28 EU-Mitgliedsstaaten erstrecken soll. Dabei soll besonders untersucht werden, ob durch die Onliner der grenzüberschreitende freie Warenverkehr in der EU behindert wird. Den letzten Satz habe ich übrigens mit hochgezogenen Augenbrauen geschrieben. Das dürfte als Kommentar ausreichen.

Billjer jeht imma: Amazon nimmt ja gerne für sich in Anspruch, die preisgünstigen Angebote zu haben. Das lassen wir mal so stehen, auch wenn Anspruch und Wirklichkeit sicherlich nicht immer deckungsgleich sind. Für echte Schnäppchenjäger hat Amazon aber jetzt ein Coupon-Programm aufgelegt, das Einkäufe mit Rabatten auf künftiges Shoppen belohnt. Das ist weder neu noch besonders innovativ. Dass das Prinzip aber funktioniert in Sachen Kundenbindung wusste schon meine Oma, die dereinst fleißig Rabattmärkchen geklebt hat.

Guggsdu: Mehr als zwei Millionen Händler nutzen den Amazon Marketplace, um ihre Kundschaft zu versorgen. Das sind doppelt so viele wie noch vor einem Jahr, und zwei Millionen ist eine schöne Zahl. Bei Ebay sind es allerdings gut 25 Millionen Händler. Das ist eine viel schönere Zahl. Und weil das so ist, setzt Amazon derzeit einiges daran, Ebay die Händler abspenstig zu machen, und das mit Erfolg. Warum viele Händler von Ebay zu Amazon wechseln, erklärt David Spitz in diesem Video. Es geht um „convenience“. Nebenbei bekommen Sie auch eine Lehrstunde in feinem US-Wirtschaftsenglisch.

Monster-Dämmerung: Sie erinnern sich vielleicht noch an die japanischen Horror-Monster-Gruselfilme, in denen Godzilla und andere possierliche Gesellen die Landschaft verwüsteten. So ähnlich sehen viele Leute ja das Wirken von Amazon, Google, Facebook und Konsorten. Jedenfalls in Sachen Amazon sind solche Assoziationen aber unangebracht, findet Charles Arthur, der in der kommenden Woche bei der London Book Fair seine Analyse zu Gegenwart und Zukunft unserer Freunde aus Seattle vorstellen wird. Kurz gefasst findet er, dass Amazon seinen Schrecken recht bald verlieren wird, weil das gedruckte Buch vom E-Book dann doch nicht verdrängt worden ist und weil Amazon, mit Ausnahme der verschiedenen Kindle-Modelle, keine wirklich erfolgreichen Hardware-Produkte auf den Markt gebracht hat, die in ähnlicher Weise zu strukturellen Veränderungen geführt hätten. Zusätzlich sei das China-Geschäft für Amazon bisher ein veritabler Reinfall – womit er sich als höflicher Zeitgenosse entpuppt – und auch das Cloud-Geschäft sei auf Dauer wirtschaftliche wohl nicht wirklich perspektivenreich. Nun ja.

Das war’s für diese Woche – ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Shoppen beim Einzelhändler an der Ecke. Morgen gibt es wieder den Wochenrückblick; es gibt einiges zu erzählen.