Lese- und Informationskompetenzen tragen erheblich dazu bei, Horizonte zu eröffnen und Chancen zu verbessern. In Mittelamerika bzw. der Karibik stellen Lesen, Bücher und Literatur nur für Wenige Werte dar und werden kaum als wirksames Mittel gegen soziale Benachteiligung eingesetzt. Es fehlt oft an Geld, mehr aber noch am Austausch von Ideen und an politischem Gestaltungswillen.

Das Goethe-Institut Mexiko gehört zu den Projektpartnern des Red de promoción lectora in Zentralamerika. Mit dieser Plattform hat das Netzwerk ein Instrument geschaffen, welches zum einen die Situation in den verschiedenen Ländern sowie deren Akteure im Bereich der Leseförderung beschreibt, zum anderen den Erfahrungsaustausch fördert, in dem man sich über Best Practice-Beispiele informieren und diese dann auch selbst vor Ort ausprobieren und auch jederzeit neue “Leserezepte” vorschlagen kann.
In lockerer Folge präsentieren wir ihnen Berichte und Erkenntnisse zum Thema Leseförderung in der Region. Heute stellen
Belka R. Villar Peguero und Virginia Read Escobal die Programme und Strategien in der Dominikanischen Republik vor.

Bereits erscheinen: Leseförderung in
Mexiko
Costa Rica

Leseförderung DOMREPLaut der Volkszählung in der Dominikanischen Republik von 2010 beträgt die Analphabetentenrate bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren sechs Prozent. Die Bundesländer mit den größten Mängeln auf der Ebene des Lesens und Schreibens sind: Pedernales mit 29 Prozent, gefolgt von Elías Piña mit 20 Prozent und Independiencia mit einem Prozent. Im ganzen Land gibt es 1.105.635 Personen mit sechs oder mehr Jahren, die weder lesen noch schreiben können, was prozentual einem Mittel von 13 Prozent in dieser Bevölkerungsgruppe entspricht. Diese Volkszählung zeigt außerdem, dass diejenigen Bundesländer, in denen am wenigsten gelesen wird, gleichzeitig die ärmsten sind.
Laut der Volkszählung von 2012 machte diese Bevölkerungsgruppe 16 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, was bedeutet, dass in einem ganzen Jahrzehnt, die Analphabetenrate in der Dominikanischen Republik nur um drei Prozentpunkte gesunken ist.
Die Dominikanische Republik hat im Jahr 2006 unter dem Präsidenten Leonel Fernández das Dekret 620-06 verabschiedet, welches das Jahr 2007 zum Jahr des Buches und des Lesens erklärte. Aufgrund dieses Dekrets wurde die Nationale Kommission für Bücher- und Leseförderung gegründet, welche aus verschiedenen Institutionen zusammengesetzt ist, die mit Büchern und Kultur in Verbindung stehen. Außerdem wurde in diesem Jahr der Fünfjahresplan für Bücher und Lesen verabschiedet, der bis ins Jahr 2012 verlängert wurde und Aktionen vorsieht, die das Lesen fördern, die Situation der dominikanischen Autoren verbessern und die Zahl der Bibliotheken im Land erhöhen sollen.
Aus der normativen Perspektive hebt sich vor allem die Formulierung und Verabschiedung des Strategischen Plans des Kulturministeriums für die Periode 2010-2015 ab, so wie die Verabschiedung des Gesetzes zur Filmförderung in der Dominikanischen Republik vom November 2010. An der Erarbeitung und Diskussion einer weiteren Serie von fundamentalen Gesetzen wird gearbeitet, so zum Beispiel am Gesetz Mecenazgo, dem Gesetz zur Förderung und Entwicklung der Szenischen Künste und Musik und dem Gesetz des Patrimoniums. Eine andere Initiative war die Schaffung des Gesetzes 502-08 für Bücher und Lesen, welches die Stärkung der der Buchindustrie und der Vermarktung zum Ziel hat, so wie die Verbesserung der Lesefähigkeiten.
Der momentane Präsident der Republik, Danilo Medina Sánchez, hat im Jahr 2013 das Dekret “Quisqueya aprende contigo” ( Quisqueya = Dominikanische Republik) beschlossen, welches Analphabetismus bis ins Jahr 2014 abschaffen will, durch eine Lese- und Schreibkampagne, die an 800.000 Personen gerichtet ist.

Leseförderung

Über die Generaldirektion des Buches und des Lesens hat das Kulturministerium Aktivitäten zur Leseförderung in öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken entwickelt. Namentlich in den Bundesländern Santiago de los Caballeros, Sanchez Ramires, San Francisco de Macorís und Monte Plata. Außerdem wurden einige Initiativen unterstützt, die in anderen Institutionen entwickelt wurden, wie zum Beispiel im Zentrum Mauricio Baez in Villa Juana, Santo Domingo und der öffentlichen Bibliothek der Hauptstadt.

Kinder- und Jugendbibliothek der Dominikanischen Republik

Die Kinder- und Jugendbibliothek der Dominikanischen Republik (BIJRD) hat sich zu einem Lieblingsort für Kinder und Jugendliche entwickelt. Diese besuchen die Einrichtung, nehmen an Workshops, Literaturveranstaltungen, Filmfestivals und Wettbewerben teil, wodurch das Leseverhalten und die Kreativität angespornt werden. Weil sich der Aktivitätsradius auf die Hauptstadt beschränkt, gibt es noch immer kein übergreifendes Bibliotheksnetzwerk.

Centro Cultural de España en Santo Domingo

Das Spanische Kulturzentrum in Santo Domingo (CCESD) ist ein Teil des Netzwerks der Kulturzentren der Spanischen Agentur für Internationale Kooperation für Entwicklung (Red de Centros Culturales de la Agencia Española de Cooperación Internacional para el Desarrollo). Dieses bietet Raum für kulturelle Angebote und die Verbreitung der spanischen Kultur im Ausland und ist außerdem ein Vermittler der Zusammenarbeit für Entwicklung sowie ein Ort der Zusammenkunft für Künstler, der eine bedeutende kulturelle Kooperation zwischen Spanien und der Dominikanischen Republik erlaubt.
Das Zentrum liefert seit längerer Zeit einen andauernden Impuls für die Produktion lokaler Kunst, vor allem im Bereich der plastischen Darstellung und der Diversifikation der kulturellen und künstlerischen Angebote verschiedenster Art. Seit dem Jahr 2008, unter Nachdruck des Leitplans für die Zusammenarbeit mit Spanien 2005-2008 und der Strategie für Kultur und Entwicklung, hat seine Bedeutung als Vermittler der Zusammenarbeit für Entwicklung progressiv zugenommen.

Mein Abenteuer mit den Büchern

Eine Initiative, die durch die Ausweitung auf die Provinz zu herzeigbaren Ergebnissen geführt hat, ist das Programm “Mein Abenteuer mit Büchern” (Mi Aventura con los Libros) welches von drei Einrichtungen durchgeführt wird: Dem Kulturverein “Habe ein Buch in deiner Tasche” (Asociación Cultural Lleva un Libro en la Maleta, der Stiftung HHS und der Stiftung “Unterstützung für die Entwicklung der Bibliotheken der Dominikanischen Republik” (Fundación Apoyo al Desarrollo de las Bibliotecas Dominicanas (FUNDEBIDO)). Von diesem Programm ausgehend wurden Beiträge für die Schaffung von Bibliotheken geleistet. Dies wurde durch Bücherspenden, Aktivitäten zur Lesemotivation in Schulen, Bibliotheken, der nationalen Buchmesse, in regionalen Buchmessen und Lesekreisen mit folgenden Abläufen erreicht: Geschichtenerzählen, Marionettenspiel, Schaustellung von Geschichten, Vorträge, Dialoge, Treffen zwischen Schriftstellern, Schaffung von Lesekreisen, die von den Jugendlichen und Kindern geleitet werden, Anleitungen und Spiele.

Kulturzentrum Poveda

Das Centro Cultural Poveda ist eine wichtige Referenz im nationalen und internationalen Umfeld in Bezug auf die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern für ein kritisches und mitverantwortliches Staatsbürgertum. Innerhalb der landesweiten Ausbildungsprogramme finden sich: Ausbildungen für Lese- und Schreibkompetenzen für Lehrerinnen und Lehrer, Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene, Ausbildung für die Basislehre in Schreiben und Lesen zur Verbesserung der Bildungsqualität, Ausbildungs- und Betreuungsprogramme in Bibliotheksorganisation.
Außer diesen Initiativen existieren andere Privat- und Regierungsorganismen, die darauf abzielen, dass aktuelle Panorama der Dominikanischen Republik im Hinblick auf das Lese- und Schreibniveau zu ändern.
In Beziehung auf die Entwicklung von professionellen Bibliothekaren in der Dominikanischen Republik, bietet aktuell einzig die Universität von Santo Domingo einen Lehrgang in Erziehung mit Spezialisierung in Bibliothekskunde an. Es gibt Interesse an einem Masterlehrgang in diesem Bereich. Im Land gibt es kaum Angebote. Die wenigen die es gibt, können online durchgeführt werden und sind aber mit hohen Kosten verbunden. Der Verein zur Unterstützung für die Entwicklung von Bibliotheken in der Dominikanischen Republik (FUNDEBIDO) bietet seit dem Jahr 2011 ein neues Curriculum in diesem Bereich an, welches technische Kurse, Vorträge und Workshops beinhaltet. Damit ist dieser Verein einer der wenigen Institutionen, die kontinuierlich Studienprogramme zur Bibliothekarsausbildung anbieten.

Herausforderungen

Um vorwärts zu kommen, muss bereits mit Kleinkindern und in der Vorschule gearbeitet werden, ebenso wie mit Lehrern und Bibliothekaren, die die Kunst des Geschichtenerzählens beherrschen, eine persönliche Bibliothek besitzen und zahlreiche Kindergeschichten verinnerlicht haben. Jede Aula sollte einen kleinen Lesebereich haben, in dem es möglich ist, kurze Momente der Stille zu üben und in Büchern zu schmökern, auch wenn man noch nicht lesen kann.
Die Arbeit soll sich auf kleine Bibliotheken in der Vorstadt ausweiten (abgeschottete Blasen, fern der harten Realität), die sich gleichzeitig in lebendige und aktive kulturelle Achsen verwandeln, mit Personal, das auf den Geschmack und die Bedürfnisse der Nutzer sensibilisiert ist. Es soll dabei nicht nur der Akt des Lesens für sich gefördert werden, sondern weiterreichende Aktivitäten durchgeführt werden, wie zum Beispiel Lesekreise, spielerische Wiedergabe von Geschichten, kleine Theateraufführungen, Marionettenspiele und thematische Aktivitäten, die sich nach der Jahreszeit richten (Karneval, Weihnachten, Nationalfeiertage, lokale Feiern).
Außerdem sind Lesekampagnen wichtig, die das Bewusstsein der Volksschullehrer wecken. Es ist eine noch ausständige Aufgabe in der Dominikanischen Republik, die Lehrer mit aktuellem literarischen Rüstzeug und einer unterhaltsamen und überzeugenden Sprache auszustatten.

Belka R. Villar Peguero (FUNDEBIDO)
Virginia Read Escobal (Asociación Cultural Lleva un Libro en la Maleta)

Zum Weiterlesen: Madeline Mendieta stellt weitere dominikanische Programme und Institutionen vor, die sich mit der Förderung von Buch und Lesen beschäftigen.