Liebe Gemeinde,

auch in dieser Woche versorgt uns Amazon brav mit Nachrichten. Hier meine Auswahl. Viel Spaß damit!

Amazon„When the Going gets tough, the Tough …“ – engagieren einen neuen Lobbyisten. Jedenfalls macht das Amazon, und der Neue ist nicht irgendwer: Jay Carney war bis Juni vergangenen Jahres Pressechef von Barack Obama im Weißen Haus. Jetzt ist er „Vice President, Worldwide Corporate Affairs“ und verantwortet sämtliche Aktivitäten, die mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu tun haben und berichtet direkt an Jeff Bezos. Arbeit gibt es genug: Von der obstinaten Haltung der US-Flugsicherheit, die partout nicht einsieht, dass Lieferdrohnen in Wohngebieten fliegen sollen bis zur Bedrohung durch eine Online-Sales-Tax, die den schönen Steuervorteil, den die Online-Händler gegenüber den Ladenbesitzern haben, zunichtemachen würde. Bisher haben die Republikaner im US-Kongress ein US-Bundesgesetz verhindert, das den Onlinern die Erhebung dieser Steuer vorschreiben würde. Aber die Regierung Obama hat das eigentlich weiter auf dem Zettel. Amazon ist in der Sache gespalten: Grundsätzlich ist man gegen Steuern, aber ein solches Gesetz würde vor allem den kleineren Konkurrenten massive Kosten die bürokratische Abwicklung aufbürden, die einige davon in den Ruin treiben würden. Und dagegen hat man in Seattle noch nie etwas gehabt.

Es ist schon praktisch, wenn man als Chef eines riesigen Handelsunternehmens auch noch Beteiligungen an diversen Medien hält. Bei Jeff Bezos sind das die Washington Post und Infodienst Business Insider. Dort ist jetzt mal wieder zu lesen, dass die Zukunft von Amazon erleuchtet sein wird: Laut einer Analyse von Macquarie Research werden 2020 die Hälfte aller US-Haushalte eine Prime-Mitgliedschaft haben. Angeblich liegt der Anteil bereits jetzt bei 20 bis 25 Prozent. Das wäre natürlich prima für unsere Freunde aus Seattle, denn die Prime-Mitglieder geben bereits jetzt etwa doppelt so viel Geld bei Amazon aus wie es nicht-Mitglieder tun.
Gründe für das weitere Prime-Wachstum werden auch genannt, und sie alle haben zu tun mit der karnickelartigen Vermehrung von Dienstleistungen, die dort angeboten werden. Allein für exklusive Video-Angebote gab Amazon im vergangenen Jahr 100 Millionen US-Dollar aus, und wer sagt denn, dass das Fire Phone auf ewig ein Flop sein muss, wenn die Abogebühren dafür in die Prime-Mitgliedschaft einfließen?

Und wo wir schon bei Prime sind: Im Königreich Ihrer Majestät Elisabeth II. hat die Advertising Standards Agency (ASA) den Amazoniern jetzt ordentlich auf die Finger gehauen. Dort hatten vor Weihnachten tausende Amazon-Kunden ein kreditkartengroßes Plastikkärtchen bekommen mit der Einladung zu einer 30-tägigen Probemitgliedschaft bei Prime. Was nicht ganz so deutlich lesbar war: Wer seine Probemitgliedschaft nicht innerhalb der Laufzeit kündigte, fand automatisch eine Belastung von 79 Pfund für eine Jahresmitgliedschaft auf seiner nächsten Kreditkartenabrechnung.
Damit, so die ASA, habe Amazon seine Kunden hinter’s Licht geführt, zumal die Kosten für die Jahresgebühr nicht genannt wurden.

Ebenfalls im Inselkönigreich konnte Amazon aber einen Triumph feiern, und zwar gegen einen gar mächtigen Gegner: Der Selbstverleger Ken Cook hatte die freundlichen Herrschaften aus Seattle verklagt, weil sie sein Buch Antipodean Antics für Spottpreise zum Verkauf angeboten hatten. Dadurch sah er sein Copyright verletzt. Ursprünglich wurde das Buch bei Amazon für 10,99 Pfund angeboten, seit einiger Zeit gibt es allerdings nur noch Links zu Gebrauchtangeboten. Dort wurde das Buch unter anderem für 1 Penny angeboten.
„Künstlerpech“, urteilte das Gericht und schmetterte Cook ab. Amazon äußerte sich nicht zu dem Fall.
Als ich den Titel im britischen Amazon-Shop aufgerufen habe, wurde er gebraucht für 116,16 Pfund angeboten. Das dürfte dem Verkauf auch nicht weiterhelfen…