Liebe Gemeinde,

auch in den vergangenen Tagen gab es einiges zu erzählen über das Lieblingsmonster der Buchbranche. Hier ist meine Auswahl. Viel Spaß damit. Und: Ich freue mich immer über Hinweise auf interessante Dinge!

AmazonEs kann der Beste nicht in Frieden kaufen, wenn es der Technik nicht gefällt: Am Sonntag und Montag war in Europa Amazon down. Ob Shop, ob Streaming-Dienste – sie waren „down“, jedenfalls am späten Nachmittag und frühen Abend der beiden Tage waren die Shopper auf sich allein gestellt, je nach Region über mehr als eine Stunde. Warum, wissen wir nicht. Nette Kommentare gab es aber bei Twitter.

Wir haben manchmal den Eindruck, Amazon sei ein Riese, der mit seinen riesigen Stiefeln die ganze Welt platt latscht. Das stimmt so nicht ganz, denn bei seiner internationalen Expansion geht Amazon eher vor wie ein ängstlicher Kater, der den Regen scheut. Bis tatsächlich ein lokaler Ableger gegründet wird, dauert es inzwischen lang – siehe das Beispiel Lateinamerika, wo unsere Freunde aus Seattle bisher nur mit lokalen Shops in Mexiko und Brasilien unterwegs sind. Kolumbien, Argentinien, Chile – Fehlanzeige.
Ebenso ist es in Russland, wo schon seit Jahren über den Markteintritt von Amazon spekuliert wird, ohne dass etwas passiert. Immerhin: Seit Neuestem gibt es wenigstens russische E-Books im Shop, allerdings traut sich Amazon bisher nicht, das laut in die Welt zu posaunen. Und mit 9500 Titeln ist das Angebot nicht wirklich überwältigend. Aber: Если вы читаете России, вы получите ваши книги сейчас. Красивая!
Derzeit bietet Amazon Bücher in 31 Sprachen an, auch wenn etwa die Angebote auf Latein und Ungarisch mit jeweils einem Titel nicht wirklich als Lockruf an die lesehungrigen Massen daherkommt.

Anders als bei seinen Shops ist Amazon schneller unterwegs, wenn es um seinen Ausleihdienst Kindle Unlimited geht: Jetzt ging das Angebot in Kanada und Mexiko online. Wie gehabt ist der Löwenanteil des Angebots gespeist aus englischsprachigen Titeln von Selfpublishern und den Rohrkrepieren der verschiedenen Amazon Publishing-Imprints. Damit zähle ich jetzt insgesamt zehn Länder: Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, Mexiko, Niederlande, Spanien und USA. Auffällig ist die Abstinenz in Märkten wie Australien, China, Japan, Korea und den skandinavischen Ländern. Mal sehen, ob sich da demnächst etwas tut.

Ob die Nachricht, dass Kindle Unlimited verfügbar ist, für Autoren in den entsprechenden Ländern Anlass zur Freude bereitet, scheint weiter fraglich. Die Befürchtung, dass dadurch die Einnahmen der Schreiber kräftig auf die Nase bekommen, ist weiterhin nicht unbegründet, obwohl Amazon hoch und heilig verspricht, in dieser Beziehung etwas zu tun. Nur: Was das sein soll, wird nicht gesagt, außer PR-Geschwalle jedenfalls kommt nichts Konkretes. Für US-Autoren sei die durchschnittliche monatliche Auszahlung pro Titel zuletzt auf erbärmliche 1,33 US-Dollar geschrumpft, wird berichtet.

Der Karneval ist vorbei (dem Herrgott sei gedankt – noch weitere Sondersendungen mit dem „Lustigsten“ aus den teutonischen Provinzen wären Grund zum Harakiri), aber wir weisen dann doch pflichtschuldigst darauf hin, dass Amazon in Brasilien den Karneval zum Anlass für eine schöne Promo-Aktion genommen hat. Ausgewählte gedruckte Bücher gab es mit 65 Prozent Rabatt, auf E-Books gab es bis 90 Prozent Rabatt. O Deus dos livros é brasileiro – jedenfalls im Karneval.

Zum Schluss noch ein etwas längerer Riemen, der ausschließlich aus O-Ton von Amazon besteht. Ich bedanke mich bei dem/der Zusender/in und zitiere aus der begleitenden Email:

Das Lieblingsmonster erhöht den Druck zum x-ten Mal. Ist für kleine Lieferanten und Händler auf der Plattform kaum noch zu handlen und dient vermutlich hauptsächlich der indirekten Verbesserung der Konditionen. Denn irgendwas ist sicher immer falsch.

 

Sehr geehrter Geschaeftspartner,

Wir arbeiten stets daran, unseren Kunden die groesste Auswahl an Produkten und das beste Preis-Leistungsverhaeltnis zu bieten. Ihre Unterstuetzung bei der Erreichung dieser Ziele wissen wir sehr zu schaetzen. Eine wichtige Voraussetzung, um unsere operative Effizienz zu steigern und Kosten zu reduzieren, sind unsere Richtlinien, die Sie im Vendor Manual nachlesen koennen. Dieses steht Ihnen im Ressourcenzentrum von Vendor Central zur Verfuegung.

In den letzten Monaten haben wir Sie ueber entsprechende Verfahren, wie beispielsweise Prozesse bei der Vereinnahmung Ihrer Ware, und die damit verbundene Effizienz informiert. Basierend auf Ihren Rueckmeldungen haben wir Prozessverbesserungen vorgenommen und freuen uns darauf, mit Ihnen weitere Verbesserungsmoeglichkeiten zu identifizieren und an deren Umsetzung zu arbeiten.

Wir moechten Sie darauf hinweisen, dass zukuenftig allen Lieferanten, die unsere Richtlinien nicht vollumfaenglich befolgen, die Kosten, die uns durch die Nichteinhaltung dieser Verfahren entstehen, in Rechnung gestellt werden. Selbstverstaendlich wird es fuer Lieferanten, die unsere Vorgaben bereits erfuellen, keine Aenderungen geben.

Seit dem 05. August 2014 senden wir nun Benachrichtigungen ueber nicht eingehaltene Richtlinien, die zu Kosten auf unserer Seite fuehren.

Hiermit moechten wir sie darauf hinweisen, dass ab dem 01.03.2015 Amazon fuer Fehlvereinnahmungen und fuer nicht eingehaltene Bestellanforderungen, sowie nicht eingehaltene Verpackungsanforderungen, entsprechende Gebuehren mit offenen Forderungen verrechnen werden.

Wichtige Information:

  • Fuer die oben genannten Ausgleichszahlungen ueber nicht erfuellte Bestellanforderungen werden Sie monatlich informiert (und nicht wie bei anderen Ausgleichszahlungen woechentlich).
  • Bitte beachten Sie weiterhin, dass die Ausgleichszahlungen zu Bestellanforderungen sich nicht gegenseitig ausschliessen (d.h. bestaetigen Sie einen Artikel aber liefern diesen nach der automatischen Auftragsstornierung und ausserhalb des Lieferzeitfensters an, bekommen Sie eine Benachrichtigung ueber die Ausgleichszahlungen „nicht erfuellte Bestellung“ sowie auch „Nichteinhalten des Lieferfensters)“

Natuerlich werden fuer Lieferanten, die bereits die Anforderungen der Amazon-Lieferbedingungen erfuellen, keine Gebuehr anfallen (Details entnehmen sie bitte dem Vendor -Handbuch).

Eine vollstaendige Uebersicht aller Verstoesse koennen Sie in Vendor Central unter (https://vendorcentral.amazon.de) Zahlungen > Operative Lieferanten Performance einsehen.

Fuer folgende Verstoesse wird Amazon Gebuehren von offenen Forderungen abziehen

1. Nichteinhalten des Lieferfensters

Um die Verfuegbarkeit der Produkte auf der Amazon Website sicherzustellen, ist es wichtig, dass Artikel, die Sie liefern, innerhalb des angegebenen Lieferfensters ankommen. Die Verfuegbarkeit auf der Website hat einen direkten Einfluss auf unser Lieferversprechen an den Kunden, denen wir ein bestmoegliches Einkaufserlebnis bieten moechten. Indem die Vorhersagbarkeit und die Bestaendigkeit der Warenanlieferungen verbessert werden, ermoeglichen wir ein besseres Kundenerlebnis und steigern damit das Wachstum fuer Sie und Amazon.

Eine Nichteinhaltung des Lieferfensters liegt dann vor, wenn die Ware erst nach Ablauf des in der Bestellnummer (PO) festgelegten Zeitfensters (erwartetes Liefer-/ Ankunftsdatum) zur Verfuegung gestellt wird.

Weitere Details zu Lieferfenstern finden Sie im Ressourcenzentrum von Vendor Central unter dem Namen „Richtlinien zum Einhalten des Lieferzeitfensters.

Fuer vorausbezahlte Fracht (Lieferant ist verantwortlich fuer die Anlieferung an Amazon) erwarten wir von Ihrem Transportdienstleister, dass dieser, einen Liefertermin anfragt, der innerhalb des Zeitfensters, der zu liefernden PO liegt. Gemessen wird Ihre Performance anhand des angefragten Liefertermins (CRDD – Carrier Requested Delivery Date).

Bei We-Pay-Lieferungen (Amazon organisiert den Transport) erwarten wir, dass die Ware innerhalb des Anlieferfensters fuer die Abholung bereit steht. Gemessen wird Ihre Performance anhand des Bereitstellungsdatums (FRD – Freight Ready Date).

Wir berechnen Ihre Puenktlichkeitsquote am Ende jedes Monats. Produkte, die nach dem Ende des Lieferfensters geliefert werden, werden als zu spaet betrachtet. Produkte, die vor dem Start des Lieferfensters geliefert werden, werden als zu frueh betrachtet.

Wenn weniger als 90% der von ihnen gelieferten Ware innerhalb des Lieferfensters bei uns im Fulfillment Center ankommt oder wenn weniger als 90% der We-Pay-Fracht zur Abholung waehrend des Zeitfensters bereit stehen, liegt ein Verstoss gegen die Einhaltung des Lieferfensters vor. Falls Ihre Performance im jeweiligen Monat ueber 90% liegt, werden keine Ausgleichszahlungen faellig.

Falls Sie in einem Monat unter 90% fallen, werden fuer alle Einheiten die nicht innerhalb des Lieferfensters angeliefert werden und unter den 90% Grenzwert fallen, 3% der Produktkosten (COGS) als Ausgleichszahlungen berechnet.

2. Nicht erfuellte Bestellung.

Fuer ein funktionierendes Warenwirtschaftssystem setzt Amazon voraus, dass bestaetigte Artikel einer Bestellung komplett und innerhalb des Lieferfensters angeliefert werden. Es ist wichtig, dass Sie alle Einheiten Ihrer bestaetigten Bestellungen liefern, damit wir akkurate Kundenversprechen geben koennen und die optimale Menge in unseren Lagern vorraetig halten.

Sobald eine Bestellnummer storniert wird, erwarten wir keine weiteren Einheiten. Wir bestellen die Ware eventuell von einer anderen Quelle oder haben die Verfuegbarkeit auf unserer Internetseite entsprechend angepasst.

Ein Verstoss wegen unerfuellten Bestellungen liegt dann vor, wenn bestaetigte oder rueckstaendige Artikel nicht bei uns ankommen, bevor unser System diese Artikel automatisch storniert. Sie werden dafuer jedoch nicht belastet, wenn Sie eine Erfuellungsrate von mindestens 95% gegenueber der bestaetigten Menge erreichen. Wir akzeptieren eine Gesamtabweichung von 5% der Erfuellungsrate pro Kalendermonat, bevor wir Sie belasten.

Hinweis: Wir erheben Ausgleichszahlungen fuer Einheiten die automatisch storniert wurden (aufgrund des Alters der PO), jedoch nicht fuer unerfuellte Einheiten, die manuell durch den Einkauf oder unseren bedarfs-getriebenen Stornierungsprozess storniert wurden.

Fuer Einheiten, die von Ihnen bestaetigt aber von unserem System in dem Kalendermonat storniert wurden, werden Ihnen 10% der Produktkosten als Ausgleichszahlungen berechnet.

Beispiel: Wenn Sie 100 Einheiten auf einer PO bestätigen, die in dem Monat storniert wurden und Amazon 95 Einheiten erhält dann wird keine Ausgleichszahlung berechnet. Erhalt Amazon allerdings nur 90, dann werden 10% der Produktkosten als Ausgleichzahlung fuer die 5 Einheiten die nicht geliefert worden sind berechnet.

3. Wo koennen Informationen ueber das Ausgleichszahlungsprogramm gefunden werden?

  • Im Lieferanten-Handbuch verfügbar im “Ressourcenzentrum” von Vendor Central.
  • Auf der Hilfeseite von Vendor Central unter der Rubrik ” Operative Lieferanten Performance
  • In den spezifischen Unterlage der Lieferfenster im “Ressourcenzentrum” von Vendor Central. Bitte ueberpruefen sie die Richtliniendokumente mit dem Titel “Richtlinien zum Einhalten des Lieferzeitfensters”.

4.Grundlegende Informationen zu Ausgleichszahlungen

Amazon EU Sarl wird die Gebuehren von den offenen Forderungen aus Warenlieferungen abziehen. Diese Verrechnung erscheint auf jedem Zahlungsnachweis in dem die zu begleichenden Forderungen sowie die genauen Abzugsbetraege und die jeweiligen Referenz-IDs ausgewiesen werden.

Amazon EU Sarl wird infolge der Verrechnung die ausgewiesene Vorsteuer nicht korrigieren, sondern dem Lieferanten eine Belastungsanzeige ausstellen, in der eindeutig vermerkt ist, dass die Vorsteuer auf Grund der Verrechnung nicht berichtigt wurde.

Um einer Ausgleichszahlung zu widersprechen, kann innerhalb einer Frist von 120 Tagen ab Erhalt der jeweiligen Mitteilung Widerspruch eingelegt werden. Bitte gehen Sie hierzu in Vendor Central > Zahlungen > „Operative Lieferanten Performance“ und geben hier Ihren Grund fuer den Widerspruch an.

Wir bitten Sie, unsere Richtlinien, die im Ressourcenzentrum in Vendor Central verfuegbar sind, gruendlich zu lesen. Weitere Details bezueglich der Handhabung von Ausgleichszahlungen finden Sie in Hilfeseiten ueber Vendor Central unter Ausgleichszahlungen und Disput.

Bei Fragen bezueglich der hier aufgefuehrten Regelung wenden Sie sich bitte ueber „Kontaktieren Sie uns“ im Vendor Central an uns. (https://vendorcentral.amazon.de).

Vielen Dank fuer Ihre Unterstuetzung.

Mit besten Gruessen.
Amazon EU Sarl

Die besten Grüße gebe ich gerne an Sie weiter und weise aus gegebenem Anlass darauf hin, dass ich in die amazonische Rechtschreibung und Zeichensetzung nicht eingegriffen habe…
Morgen gibt es wieder den wöchentlichen Rückblick aus der bunten Bücherwelt, da erfahren wir unter anderem, dass Jobs in der Buchbranche beliebt sind, schauen nach Brasilien, Spanien, Pakistan und mehr.

Herzlichst

Ihr und Euer

Holger Ehling