Seit dem Gastlandauftritt Koreas in Frankfurt 2005 ist das Land aus dem Blickfeld geraten – Warum eigentlich?

Zehn Stunden Flug nach Osten, sieben Stunden Zeitunterschied zu Deutschland – bequem geht anders. Vor allem, wenn man dann auch noch gleich arbeiten muss, was als Buchmessenteilnehmer ja Sinn der ganzen Anstrengung ist. Immerhin landet man in einer der faszinierendsten Städte der Welt – Seoul, Hauptstadt Südkoreas.

Seit dem Gastlandauftritt Koreas in Frankfurt im Jahr 2005 ist das Land, das beständig zu den eifrigsten Abnehmern deutscher Übersetzungslizenzen ztählt, bei uns ein bisschen aus dem Blickfeld geraten. Warum eigentlich? „Die Koreaner kaufen zuverlässig“, höre ich aus den Lizenzabteilungen deutscher Verlage. Man trifft sich in London, Bologna oder Frankfurt, besondere Anstrengungen, wie sie etwa mit einer Reise nach Osten verbunden wären, scheinen nicht nötig zu sein.

Eine Fehleinschätzung? Goethe-Institut und Botschaft in Seoul sind jedenfalls nicht sonderlich begeistert von den Anstrengungen, die von den deutschen Verlagen seit dem Gastlandauftritt gemacht worden sind, um diesem Markt zu beackern. „Außer China finden die deutschen Verlage ja kein asiatisches Land mehr interessant“, heißt es. Nun ja, wer es sich leisten kann… Dabei ist im Lizenzgeschäft mit Korea weiterhin „Musik“: Nach Angaben der Korean Publishers Association waren von den mehr als 43.000 Titeln, die 2008 veröffentlicht wurden, 31 Prozent Übersetzungen. Dabei kam die deutsche Sprache mit 599 Titeln auf den vierten Platz nach Japanisch, Englisch und Französisch.
Natürlich ist die Buchmesse in Seoul kein Highlight im internationalen Messekalender. Rund 600 Aussteller aus 23 Ländern sind laut Veranstalter in diesem Jahr hergekommen; das ist im Rahmen dessen, was man erwarten kann. Die Fläche der Messe entspricht ungefähr einem Drittel der Leipziger Buchmesse – sauber getrennt in einen sehr großen Bereich für Kinderbücher und einen anderen Bereich für „erwachsene“ Titel. Am Wochenende ist dann besonders der Kinderbuchbereich hoffnungslos überlaufen: Die bildungsverrückten Koreaner investieren heftig in alles, was den lieben Kleinen beim Lernen fürs Leben und für die Schule in irgendeiner Weise dienlich sein kann.
Bei den „Erwachsenen“ finden sich dann auch die drei deutschsprachigen Aussteller der Messe – einen Gemeinschaftsstand gibt es nicht: Abera aus Hamburg, der Kinderbuchverlag Wolf aus Frankfurt und der Kinderbuchfonds Baobab aus Basel. Alle drei sind Kleinverlage, alle drei sind vor allem daran interessiert, Lizenzen aus Korea einzukaufen, zumeist mit Unterstützung des koreanischen Literature Translation Institute, dessen Unterstützung auch schon im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 2005 einigen deutschen Verlagen koreanische Titel ins Programm gespült hat. Und sowohl Sonja Matheson (Baobab) als auch Markus Voss (Abera) zeigten sich begeistert von ihrer Messeteilnahme. Bei Baobab jedenfalls rissen Angebot neuer Titel und Nachfrage nach dem Verlagsprogramm, das sich auf Kinderbücher, vor allem auf Bilderbücher, aus Afrika, Asien und Lateinamerika konzentriert, nicht ab.
Warum kümmern sich deutschsprachige Verlage nicht intensiver um diesen Markt? Ratslosigkeit beim Goethe Institut: Zuletzt war Wladimir Kaminer zu Gast in Seoul und räumte ordentlich ab beim Publikum. Es muss ja nicht immer Russendisko sein, um koreanisches Publikum und koreanische Verlage zu begeistern. Ein kleiner Gemeinschaftsstand, ein kleines Fachprogramm würden auch schon reichen, um den Gästen von 2005 zu signalisieren, dass sie weiterhin in Ehren gehalten werden.

(Dieser Beitrag ist ein Test. Er wurde zuerst veröffentlicht in meinem inzwischen nicht mehr existenten Auslandsblog auf www.boersenblatt.net.)