Hugendubel (c) Riverstone 19, CC BY-SA

Hugendubel (c) Riverstone 19, CC BY-SA

Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit fielen den Protagonisten des deutschen Buchmarkts im Jahr 2014 mit Wucht auf die Füße. Wirklich zukunftsweisend war nur weniges.

Der erste Einschlag kam schon im Januar, als noch so mancher Buchmensch mit der Lektüre der Weihnachtsgeschenke beschäftigt war. Bei der Jahrestagung der AG Publikumsverlage in München stand ich mit zwei netten Kollegen zusammen. Wir sprachen über Fußball und die phänomenale Hinrunde des FC Augsburg, als der Vertriebsleiter eines sehr großen Verlags zu uns kam und fragte, worüber die Herren denn sprechen. Wir sagten: „Augsburg“ – woraufhin sein Gesicht versteinerte und er durch die Lippen presste: „Erwähnt in meiner Gegenwart das Wort Augsburg nie mehr!“

Natürlich hatte seine Reaktion nichts zu tun mit den Leistungen der Augsburger Fußballer. Ein paar Tage zuvor war offiziell geworden, dass die Verlagsgruppe Weltbild aus Augsburg Insolvenz angemeldet hatte. Und wenn ein solcher Buchmarkt-Riese aufs Totenbett niedersinkt, dann steigert sich das Bangen und Wehklagen in der Branche zu einer gehörigen Kakophonie.

 

Den Wandel ignoriert

Weltbild ist (oder war) nicht irgendein Buchhändler: Läden und Versandgeschäft sorgten noch im Geschäftsjahr 2011/12 für einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. 18 Monate später waren dann die Taschen leer.

Wie viele andere Großbuchhändler hatte Weltbild jahrelang ignoriert, wie sehr sich der Markt gewandelt hatte, seit Amazon auf den Plan getreten war. Die dann im Eiltempo vorgenommenen Investitionen in IT, Logistik und Dienstleistungen führten letztlich zu einem immensen Finanzloch – und die Eigentümer des Konzerns, die katholischen Bistümer in Deutschland, weigerten sich, dieses Loch zu stopfen. Immerhin, nach langem Hin und Her wurde ein Investor gefunden, der das Unternehmen weiterführen will; massive Entlassungen und Ladenschließungen sind aber wohl auch in Zukunft unabwendbar.

Nicht ganz so dramatisch erging es den beiden anderen Großbuchhändlern in Deutschland: Nach fast 20 Jahren des ungehemmten Wachstums klagen Hugendubel und Thalia seit einiger Zeit über einen massiven Flächenüberhang – hinter vorgehaltener Hand wird von 40 Prozent Ladenfläche gesprochen, die man eigentlich nicht braucht. Ladenschließungen gehören auch dort mittlerweile zu den Alltagsnachrichten. Und Thalia, das bislang zur Douglas-Gruppe gehört, wird von seinen Besitzern, einer britischen Investmentgruppe, ganz unverhohlen zum Verkauf angeboten.

Zu den notleidenden Freunden bei Hugendubel, Thalia und Weltbild gesellt sich der nicht minder krisengeschüttelte Club Bertelsmann, dessen Aus für das Ende des kommenden Jahres verkündet wurde. Immerhin konnte dieses Quartett der Verlierer wenigstens auf einem Gebiet Erfolge vermelden: Die gemeinsam mit der Telekom betriebene Tolino-Allianz entwickelte sich 2014 zu einem echten Herausforderer für Amazon im E-Book-Markt. Auf rund 35 Prozent Marktanteil bezifferten die Allianzler den Tolino-Marktanteil in Deutschland. Jetzt wird expandiert: Belgien, die Niederlande und Italien bekommen eigene Tolino-Shops, und in Deutschland ist mit dem Zwischenbuchhändler Libri ein gewichtiger neuer Partner hinzugekommen.

Amazon: Rabattkämpfe und schlechte Arbeitsbedingungen

Die Gegnerschaft zu Amazon schweißt diese E-Book-Allianz zusammen, und der Riese aus Seattle tat in diesem Jahr alles ihm Mögliche, um sich in der Branche unbeliebt zu machen. Die lausigen Arbeitsbedingungen in den deutschen Auslieferungslagern brachten zudem das geneigte Publikum dazu, nicht mehr ganz so fröhlich zu bestellen wie noch vor Jahresfrist.

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Dieser Text erscheint in „Das Netz 2014/2015 – Jahresrückblick Netzpolitik“. Das Magazin versammelt mehr als 70 Autoren und Autorinnen, die einen Einblick geben, was 2014 im Netz passiert ist und was 2015 wichtig werden wird. Bestellen können Sie „Das Netz 2014/2015“ bei iRights.Media.