Martin Amis (c) SlimVirgin 2007

Im britischen Blätterwald redete man sich in dieser Woche die Köpfe heiß über die neueste Diatribe des liebenswerten Martin Amis. Der hatte verlautbart, er werde nur dann Kinderbücher schreiben, falls ein schwerer Hirndefekt ihn dazu zwinge. Einen Dachschaden, und zwar einen schweren, konstatieren die Kommentatoren darauf hin unisono.

Zur Borders-Pleite haben wir uns ja bereits im Blog-Post der Woche ausführlich ausgelassen. Aber das Thema zieht natürlich weite Kreise: Nehmen wir Kobo – das ist einerseits der E-Reader-Partner von Borders, andererseits steckt dahinter die kanadische Buchhandelsgruppe Indigo, die zwar in wirtschaftlicher Hinsicht nicht wirklich ein Ausbund jugendlicher Kraft und Frische ist, aber andererseits – im Gegensatz zum plattfüßigen Borders-Management – die Zeichen der Zeit erkannt und schon 2009 einen eigenen Reader auf den Markt gebracht hatte. Borders hatte sich drangehängt – und jetzt befürchten Kobo-Kunden, dass ihr Spielzeug mit Borders in den Orkus fahren könnte. Nein, wird es  nicht, ließ Kobo verkünden. Nun ja. Watch this Space.

NZ Allblacks Haka

In Australien und Neuseeland macht die Pleite der REDGroup die miese Woche für die Buchhandelsketten perfekt. RED ist Besitzer von Angus & Robertson in Australien und von Whitcoull’s in Neuseeland. Borders Australia, das auf beiden Seiten der Tasmanischen See agiert, gehört auch dazu und vereint sich also mit der  einstigen US-Mutter im Pleite-Nirvana.

In Spanien machte der weitere Kehraus bei Bertelsmann Schlagzeilen: Jetzt wurden die neun Bertrand-Buchhandlungen an die Planeta-Tochter Casa del Libro verkauft. Planeta war bereits im vergangenen Jahr mit der Übernahme einer 50-Prozent-Beteiligung am spanischen Bertelsmann-Buchclub Circulo de Lectores zum Partner der Gütersloher geworden. Nach Medienberichten soll der Name Bertrand – der sich von der großen Lissabonner Traditionsbuchhandlung herleitet – in Spanien verschwinden. Casa del Libro verfügt damit über 37 Filialen in Spanien.

Die Buchmesse in Kairo ist dank der Proteste gegen den inzwischen abgängigen Herrn Mubarak abgesagt worden, das hatten wir schon Anfang Februar berichtet. Wer den Veranstalter, die staatliche General Egyptian Book Organisation (GEBO) kennt, kann sich vorstellen, welch Hühnerstall da gerade in Aufruhr ist (die Website wurde 2007 zum letzten Mal aktualisiert, man denkt eher in pharaonischen Zeiträumen).

Da erfreut es uns doch sehr, dass die American University in Cairo Press jetzt verkündet, eine Ersatz-Buchmesse auf dem Campus der Universität veranstalten zu wollen. Der übrigens ist ausgerechnet am Tahrir-Platz gelegen, der ja dank Al Jazeera, CNN und Konsorten inzwischen weltweit bekannt ist – weshalb die Buchmesse auch den schönen Namen Tahrir Book Fair trägt. Per LinkedIn teilt uns unser Freund Atef El-Hoteiby, Marketingchef bei AUC mit:

The Tahrir Book Fair
In light of the nationwide protests that took place as part of Egypt’s recent revolution, the cancelation of the annual Cairo International Book Fair – which was due to take place in January – came as a disappointment to millions of visitors, as well as to the booksellers and publishers that attend the Book Fair from year to year.
The AUC Press strongly believes in the cultural and intellectual significance of the Cairo International Book Fair, and as a result of its cancelation will host at the end of March a Book Fair on the AUC Campus on Tahrir Square: The Tahrir Book Fair. The dates for this week-long fair will be announced shortly; it will include thousands of titles by booksellers and publishers from Egypt and abroad, and will also feature author signings, panel seminars, forums, and special receptions.
For this end AUC Press will accept sponsors for this great event.

Die Tatsache, dass GEBO im vergangenen Jahr den auf dem Kairoer Messegelände fest installierten Pavillon der AUC Press ohne Angabe von Gründen und ohne Mitteilung an den Verlag hatte beseitigen lassen, hat sicherlich keine Rolle gespielt bei diesem höchst willkommenen Vorstoß …

Wir wünschen viel Erfolg uns suchen schon mal nach einem günstigen Flug.

In Brasilien macht ein Vorschlag des Parlamentsabgeordneten José Bonifácio de Andrada  Furore. Er will durchsetzen, dass alle Buchhandlungen des Riesenlands alle in Brasilien verlegten Bücher anbieten müssen. Bei einer Produktion von mehr als 20.000 Neuerscheinungen pro Jahr dürfte da wohl bald der Platz in den Regalen eng werden. Buchhändler und Verlage gleichermaßen sind deshalb wenig begeistert. Man fragt sich, welche Branche sich da bei der Lobbyarbeit in die Kurve gelegt hat – Spediteure? Regalbauer?

Deus é brasileiro. O diabo, também.