So, jetzt ist sie eröffnet. Wie üblich habe ich die Zeremonien geschwänzt und habe mich unter die lieben Kolleginnen und Kollegen begeben, die am BuchMarkt-Stand die Messe produktiv angefangen haben. Wie das war, erzählt Ihnen der Messe-Mayer, den ich übrigens zur täglichen Lektüre empfehle. So akkurat wie der Kollege trifft keiner die surreale Welt, die uns bis Sonntag in den Klauen hält.

Börsenvereins-Vorsteher Heinrich Riethmüller machte übrigens in seiner Rede zur Eröffnungs-Pressekonferenz die eigentlichen Themen deutlich, nachstehend die entsprechende Pressemitteilung:

Ein Plädoyer für die wertschöpfenden Strukturen des Buchmarktes hielt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse 2014. „Der deutsche Buchmarkt ist weltweit ein Vorbild, nicht zuletzt wegen der einzigartigen Infrastruktur von rund 3000 Verlagen und 6000 Buchhandlungen. Diese wertschöpfenden Strukturen sind essenziell für eine funktionierende Buchkultur“, so Riethmüller. Doch das digitale Zeitalter beinhalte Risiken und Chancen und stelle neue Anforderungen nicht nur an den gesamten Buchhandel, sondern auch an die Politik. Das Netz forciere monopolistische Strukturen und damit auch eine Form des digitalen Kapitalismus, der sich staatlicher und gesellschaftlicher Kontrolle entziehe. „Wir wollen durch Leistung überzeugen und wehren uns gleichzeitig  gegen Angriffe auf die wertschöpfenden Strukturen des Buchmarktes durch monopolistisch agierende Unternehmen“, so Riethmüller.

Verlage und Buchhandlungen setzen auf die erfolgreiche Symbiose von Online- und Offline-Buchhandel, von Mobil und Stationär. „Eine moderne und agile Buchbranche braucht die Weiterentwicklung digitaler Herstellungs- und Verbreitungswege, wenn sie zeitgemäß bleiben und sich verändern will. Und sie braucht den stationären Buchhandel als Kulturvermittler, wenn sie ihre Bedeutung erhalten will“, so Riethmüller.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Entwicklung auf dem Buchmarkt. So hält der Trend des letzten Jahres an: Der Umsatz des Buchhandels vor Ort entwickelt sich auch in diesem Jahr besser als der aller Vertriebswege zusammen genommen. 2013 lag der der stationäre Buchhandel erstmals wieder mit 0,9 Prozent im Plus.

Da ist natürlich ein gut Teil Sonntagsrede drin. Aber tatsächlich steht der stationäre Buchhandel derzeit gar nicht so schlecht da. Gestern hatte ja Matthias Koeffler vom beeindruckend Start in den September berichtet. Schön ist das.

 

In der wahren Welt ist Siegfried Lenz gestorben. Das ist sehr traurig. Im Gegensatz zu manchem Altersgenossen hatte er sich bis zuletzt seine schriftstellerische Kraft erhalten. Vor allem hat der Versuchung widerstanden, sich ständig mit besserwisserischem Gemähre Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch stilistisch hat er die Kraftmeierei immer anderen überlassen, viele seiner Texte gehen geradezu zärtlich um mit den Menschen, von denen se handeln. Seine Bücher haben mir immer viel bedeutet. Jetzt ist er fort. Schade.

Der Gegenentwurf zu Lenz’ Zurückhaltung ist natürlich Amazon, das – wenig überraschend – mit seinem “Kindle Unlimited” pünktlich zum Start der Buchmesse auch in Deutschland aufgeschlagen ist. Das Angebot ist noch ziemlich dünn – gerade einmal 50.000 deutschsprachige Titel gibt es, darunter sehr viel aus der Selpublisher-Ecke. Immerhin haben mit Lübbe und Herder und Gräfe + Unzer zwei veritable Dickschiffe festgemacht. Mal sehen, was daraus wird. Meine eigene Fleet Street Press ist auch dabei – wenn Sie hochwertige E-Books zu Pädagogik und Medien lesen wollen, leihen Sie doch einfach mal unsere Titel aus. Aber bitte: mindestens 10 Prozent davon lesen, sonst bekommen wir kein Geld…