Hochwürden

Ludwig Thoma

Unser Pfarra is scho plagt,
Und er schind’t si, wia ma sagt.
Hockt er net im Landtag drin
Und im Reichstag in Berlin?
Nix wia streit’n, nix wia raffa,
Nix wia in d’ Versammlung laffa,
Nix als wia in d’ Zeitung schreib’n,
Nix als wia grad’ Galle speib’n.
Und dahoam? Da geht ‘s erst recht!
Der an Ruah? Da kennst ‘n schlecht.
Muaß er net in sechs Verein
Oder mehra Fürstand sein?
Burschen-, Männer-, Jungfernbund,
Chrischtli Bauern, G’sellen und
Beim Verein für gute Wahl’n,
Preßverein und überall’n?
Und er schnüffelt allssamm aus.
Und er woaß von jed’n Haus,
Ob ma eppa gar a schlechte,
Ob ma eppa g’wiß de rechte
Zeitung lest. Er agatiert,
Dass ma schwarzi abanniert.
Und na is aa dös da Fall:
Is da Lehra liberal,
Muaß er ‘n hoamli übaschreib’n
Und scho wieda Galle speib’n.
Bei de Kass’n als Kassier
Fangt er seine Bauern für,
Und es kriagt de brave Chrischt
Bloß a Geld und künschtling Mischt,
Und er spiganiert und lust,
Handelt und vokafft und schmust
Fuattamittl, Dung und Straah, —
Meß les’n?
Meß les’n tuat er aa.

Ludwig Thoma. Portrait von Karl Klimsch (1909)

Ludwig Thoma. Portrait von Karl Klimsch (1909)

Ludwig Thoma (1867-1921) war Jurist und Schriftsteller, der vor allem mit seinen gallig-humorvollen Texten in bayerischer Mundart bekannt wurde.