Die Buchmesse in Kairo fiel in diesem Jahr aus (c) ehlingmedia 2007

Im November angekündigt, jetzt endlich realisiert: Die New York Times startet am Wochenende ihre Ebook-Bestellerliste. Ob des Hypes um die riesigen Absatzsteigerungen ist ja gerne einmal in Vergessenheit geraten, dass es lange Zeit keine wirklich zuverlässigen Messungen gab. Nielsen schreitet da voran, die GfK in Deutschland kommt wohl auch bald mit Instrumenten heraus, die einen Einblick können in die tatsächliche (und nicht die aus Marketinggründen kommunizierte) wirtschaftliche Relevanz der Elektrobücher.

Die Internationale Verleger-Union hat ihre turnusmäßige Vorstandssitzung wegen der Turbulenzen in Kairo nach Paris verlegt. Von dort kommt ein Aufruf an die Machthaber, es endlich mit der Meinungsfreiheit ernst zu nehmen. Neben der Aufklärung der Umstände des Todes des Verlegers und Journalisten Ahmed Mohamed Mahmoud fordert die IVU gemeinsam mit dem Ägyptischen Verlegerverband unter anderem die Beendigung von Importrestriktionen für Bücher und die Zulassung einer Buchmesse, die  an die Stelle der Cairo International Book Fair treten könnte, die in den vergangenen Jahren von der ägyptischen Kulturbürokratie in aberwitzigem Maße heruntergewirtschaftet wurde.

Weiter zum Thema Ägypten: Eine nachdenkliche Betrachtung des Hypes um die angebliche Bedeutung von Twitter und Facebook für die ägyptische Demokratiebewegung findet sich in Futurezone. Ja, Verabredungen und Informationen sind über das Netz zustande gekommen, doch die Netzsperren der ägyptischen Regierung haben in keiner Weise dazu beigetragen, die Masse der Demonstranten zu verringern. Bei Malcolm Gladwell im New Yorker hört sich das sehr deutlich an:

But surely the least interesting fact about them is that some of the protesters may (or may not) have at one point or another employed some of the tools of the new media to communicate with one another. Please. People protested and brought down governments before Facebook was invented. They did it before the Internet came along.

Und tatsächlich vergessen die Twitterati, die in Frankfurt. London oder Chicago vor dem Schirm hängen, sehr häufig, dass das Internet in der arabischen Welt, aber auch in weiten Teilen Lateinamerikas, in Zentral- und Südasien und erst recht in Afrika nur für einen kleinen Teil der Menschen zugänglich ist. Politische Massenbewegungen sind kein Flashmob; sie lassen sich durch die Zauberkraft des Netzes sicherlich unterstützen, aber eben so sicher nicht auslösen.

Facebook, Twitter, Tralala – ja, natürlich sollte ein Blogschreiber sich nicht lustig machen über die Netzwerke. Aber im Alltag erfahren wir ja alle immer wieder, wie unbeholfen und holzhammermäßig viele Unternehmen und Institutionen sich in diesen Netzwerken benehmen. Der Erfolg: „Unfollow“, „Unfriend“ in größerer Zahl. Mashable berichtet über eine Studie der Vermarktungsfirma Exact Target, die genau diese Bruchstellen bei der Marketingarbeit in den Netzen analysiert – für alle Online-Werbefuzzis dringend zur Lektüre empfohlen.