In dieser Serie stelle ich Ihnen in lockerer Folge die wichtigsten Buchmessen der Welt vor. Heute: Die Cairo International Book Fair

CIBF2014Noch bis zum 6. Februar läuft die diesjährige Kairo International Book Fair – wenn nichts dazwischen kommt, was angesichts der Entwicklungen der vergangenen Tage nicht auszuschließen ist. 755 Aussteller aus 24 Ländern nehmen nach Veranstalterangaben daran teil, Kuwait ist Ehrengast.

755 Aussteller, das hört sich zunächst einmal nicht schlecht an. Allerdings ist das doch ein eher kümmerliches Ergebnis für die Veranstaltung, die vor einem Jahrzehnt weit mehr als 2000 Aussteller präsentieren konnte und damit nach der Frankfurter Buchmesse die weltweite Nummer zwei war. Allerdings war schon damals erkennbar, dass die Messe in keinem guten Zustand war: Das Missmanagement des Veranstalters, der staatlichen „General Egyptian Book Organisation“ (GEBO) war und ist abenteuerlich, die meisten Gebäude auf dem Messegelände waren und sind abbruchreif, die Politik griff munter durch und ließ besonders die Religionspolizei nach Belieben schalten und walten, der Teilnehmerkatalog wurde entweder gar nicht oder zu spät ausgeliefert … die Liste des veranstalterischen Unsinns ließe sich beliebig erweitern. Die Kollegen von Al-Ahram haben einen lesenswerten Überblick über die allgemeinen Probleme der Messe zusammengestellt, ich empfehle die Lektüre. Und natürlich auch die Lektüre eines Beitrags unserer Freunde von Arabic Literature in English, die in Kairo gefragt haben “What’s wrong with the Cairo International Book Fair?”

Wer Buchmessen wie in Frankfurt, London oder Leipzig kennt, mag ein falsches Verständnis haben davon, wozu Buchmessen in anderen Regionen der Welt dienen: Es geht dort zumeist gar nicht um professionelle Aspekte wie Lizenzhandel oder Marketing. Buchmessen wie die in Kairo sind in erster Linie riesige Buchläden auf Zeit, in denen sich das allgemeine Publikum ebenso mit Büchern versorgt wie der Buchhandel. In der Vergangenheit kamen regelmäßig mehr als zwei Millionen Besucher; die arabischsprachigen Aussteller berichteten immer wieder, dass sie fast die Hälfte ihres Jahresumsatzes hier machen. In Kairo war stets zu beobachten, wie ganze LKW-Ladungen mit Büchern aufgeladen und abtransportiert wurden, ob nach Marokko, in den Irak oder in die Golfstaaten.

Die Buchmesse in Kairo profitierte jahrzehntelang von zwei Dingen: Zum ersten verfügten die anderen Länder der Arabischen Welt über keine ernstzunehmenden eigenen Veranstaltungen, nachdem der libanesische Bürgerkrieg den dortigen Messen de facto den Garaus gemacht hatte. Und zum anderen ist Ägypten, mit rund 80 Millionen Einwohnern, das bei weitem bevölkerungsstärkste arabischsprachige Land. Und so kam es, dass jeder, der in der 300 Millionen Menschen zählenden Arabischen Welt auch nur ansatzweise professionellen Umgang mit Büchern pflegte, nach Kairo kommen musste.

Das hat sich geändert: Spätestens seit die Ereignisse des 25. Januar 2011, mit dem Beginn der Revolution in Ägypten, zur Absage der Messe dieses Jahres führten, wissen die arabischen Kollegen, dass sie nach Alternativen suchen müssen. Die haben sie gefunden, in Abu Dhabi. Dort ist, unter emsiger Mithilfe der Frankfurter Buchmesse, seit 2006 eine höchst professionell organisierte Messe entstanden, die mit üppigen Subventionen Aussteller und Fachbesucher aus aller Welt anzieht.

Die Reaktion der GEBO auf den ungeliebten Upstart vom Golf ist damals wie heute der verächtliche Verweis darauf, dass die neureichen Scheichs keinerlei Buchkultur vorzuweisen haben. Das ist zwar nicht ganz falsch, hilft aber auch nicht weiter. Ich erinnere mich an einen im Sande verlaufenen Beratungsauftrag, den mir die GEBO vor einigen Jahren erteilte: Als ersten Punkt in der Projektplanung hatte ich seinerzeit intensive Gespräche mit ausgewählten Ausstellern vorgesehen, um deren Ideen und Bedürfnisse kennen zu lernen. Die Antwort der GEBO: „Wir wissen genau, was die Aussteller wollen – sie wollen weniger Geld bezahlen“. An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert. Ein Beispiel: 2010 stellte der Verleger der American University in Cairo Press, der größte Verlag für englischsprachige Ausgaben arabischer Literatur, ein paar Tage vor Messestart fest, dass sein Pavillon auf dem Messegelände ohne jegliche Information, geschweige denn Angabe von Gründen, abgerissen worden war. Nach Jahren des Zwists mit GEBO war man nicht überrascht.

Wie geht es weiter mit der Messe in Kairo? Die politischen Entwicklungen in Ägypten geben wenig Anlass zur Hoffnung. Es ist schmerzlich zu sehen, wie eine solche Veranstaltung zielgerichtet gegen die Wand gefahren wird. An mahnenden Stimmen und an Hilfsangeboten, sei es aus Frankfurt, sei es von Reed Expo, dem größten Messeveranstalter der Welt (mit BookExpo America, London Book Fair, Salon du Livre u.a.), hat es nicht gefehlt. Solange die Organisatoren bei der GEBO allerdings weiterhin fröhlich ihre Pfründe genießen können und ihnen die Aussteller weiterhin gleichgültig sind, wird es nicht besser werden.

Basisdaten zum ägyptischen Buchmarkt, zusammengestellt von der Frankfurter Buchmesse.

In dieser Serie bereits erschienen:

Die großen Buchmessen der Welt (II): Guadalajara – la Fiesta de los libros

Die großen Buchmessen der Welt (I): Frankfurt – größer (und besser) geht’s nicht