Farben

von Selma Meerbaum-Eisinger

Selma Meerbaum-Eisinger

Selma Meerbaum-Eisinger

So blau liegt es über dem schneeweißen Schnee
und so schwarz sind die grünen Tannen,
dass das ganz leise hinhuschende Reh
so grau ist wie nie beendbares Weh,
das man doch so gern möchte bannen.

Schritte knirschen in Schneemusik
und Winde stäuben die Flocken zurück
auf die weiß überschleierten Bäume.
Und Bänke stehen wie Träume.

Lichter fallen und spielen mit Schatten
unendliche Ringelreihen.
Die fernen Laternen blinken mit mattem
Schein, den vom Schneelicht sie leihen.

18.12.1939

Selma Meerbaum-Eisinger (1924 – 1942) war eine deutschsprachige jüdische Schriftstellerin, deren Werke erst nach ihrem Tod entdeckt wurden. Sie gehört mit Paul Celan und Rose Ausländern zu den bedeutenden Vertreterinnen der deutsch-jüdischen Kultur der Bukowina. Nach der Besetzung von Czernowitz durch deutsche Truppen wurde sie mit ihrer Familie deportiert und starb im Arbeitslager Michailowka in der Ukraine.

Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger.