Mit der Nach-Lese wollen wir Ihnen – nach Möglichkeit zum Ende jeder Woche – einige Hinweise geben auf Nachrichten, Berichte und Meinungen zur Buchbranche, die uns in den vergangenen Tagen besonders interessant erschienen sind.

Sie sind herzlich eingeladen, uns jederzeit auf interessante Dinge aufmerksam zu machen: info@ehlingmedia.com.

Cairo International Book Fair

Natürlich waren die Ereignisse in Kairo das beherrschende Thema der Woche, und ob der plötzlich sich auftuenden Chance zu einem Regimewechsel ist die Absage der Buchmesse in Kairo ein kleiner Preis, der zu zahlen ist. Dass damit der Ehrengast-Auftritte von China ebenfalls im Nil versenkt wurde, ist wohl ebenfalls zu verschmerzen. In der Absage der Buchmesse liegt möglicherweise auch eine Chance: Nicht zuletzt dank des Wirkens der von der Mubarak-Regierung eingesetzten Schranzen ist die Veranstaltung, die einstmals stolz als zweitgrößte Buchmesse der Welt (hinter Frankfurt) in Saft stand, in den vergangenen Jahren zu einem unattraktiven Basar herunter gewirtschaftet worden, an dem das Kunstprodukt in Abu Dabhi vorbeigezogen zu sein scheint.

Cairo International Book Fair

Cairo International Book Fair (c) ehlingmedia 2007

Mit neuem Management und einem Mindestmaß an Interesse am Marktgeschehen könnte die Messe allerdings zu retten sein. Einen ersten Blick in die Zukunft wirft Ramy Habeeb vom Ebook-Anbieter Kotobarabia im Gespräch mit Publishing Perspectives.

Borders Superstore NYC

Borders Superstore NYC (c) ehlingmedia 2010

In den USA ballen sich die Sorgen um die Zukunft des zweitgrößten Buchfilialisten Borders zu tiefschwarzen Wolken. So recht mag niemand mehr daran glauben, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form zu retten ist. Spätestens für die kommende Woche wird der Ganz zum Insolvenzgericht erwartet, mit dem das Unternehmen Schutz und „Chapter 11“ des US-Insovenzrechts beantragen dürfte.

In Großbritannien tobt die Debatte um die Zukunft der Bibliotheken – die „Cameroonians“ wollen auch hier den freien Markt zum Zug kommen lassen. Alle diejenigen, die auch nur ansatzweise etwas vom Bibliothekswesen verstehen, wünschen Herrn Cameron deshalb zum Teufel, und am Sonnabend wird es einen “nationalen Protesttag” zur Rettung der Bibliotheken geben. Wie wichtig Bibliotheken sind, zeigt sich am Beispiel Brasilien: Die Zeitung „O Globo“ berichtet, dass 15 Millionen Kinder und Jugendliche an Schulen lernen müssen, in denen es keine Bücher gibt (Portugiesisch).

Zum Abschluss wird es auch elektrisch: Im zweiten HSP-Newsletter des Jahres geht Ehrhardt F. Heinold (Link zu seinem Blog in der nebenstehenden Blogroll) in die Vorlage mit einen „Trendbarometer 2011: Mehrmedial, kundennah, veränderungsbereit“. Seine Prognose: „Weg vom Produkt, hin zum kundengerechten Medium: Immer mehr Verlage werden ihre interne Struktur dem Markt anpassen und sich entlang von Kundengruppen, nicht von Medien organisieren.“ Und Thomas Koch erläutert im Interview, warum Zeitschriftenverlage sich professionalisieren und ihre Zeitschriften im Markt klar positionieren, am Kundennutzen orientieren und zu mehrmedialen Marken ausbauen müssen. Nun ja, da dürfte Arbeit warten.

Was halten Sie von dieser ersten Nach-Lese? Lassen Sie mich Ihre Meinung wissen.

Mit besten Grüßen

Holger Ehling