Antoni Comas ist Chef des Verlags Editorial Tibidabo und war Präsident sowohl des Verlegerverbands Kataloniens wie auch des Gremio de Federaciones de Editores de España. Das Interview entstand nach dem Auftritt Kataloniens bei der Frankfurter Buchmesse.

Antoni Comas (c) FGEE

Antoni Comas (c) FGEE

Die Verlage in Katalonien sind die bedeutendsten und stärksten in Spanien und darüber hinaus in der spanischsprachigen Welt. Wie kommt das zustande?

Comas: Im Verlagswesen Spaniens macht der Anteil der in Katalonien beheimateten Verlage rund 55 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das zeigt schon die Bedeutung der Unternehmen aus dieser Region. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass die katalanischen Verlage sehr breit aufgestellt sind und in allen Sachgruppen publizieren. Dabei führen katalanische Verlage die Rangliste spanischer Verlage in sehr vielen dieser Kategorien an.

Wie sieht das Verhältnis aus des Verlegens in katalanischer Sprache zum Verlegen auf Spanisch?

Comas: Die katalanischen Verlage publizieren grundsätzlich sowohl aus Spanisch wie auf Katalanisch. Durch das Gewicht des spanischsprachigen Marktes – mit Spanien, Lateinamerika und einer wachsenden Bedeutung Nordamerikas – ist natürlich das Verlegen in spanischer Sprache von wirtschaftlich sehr viel größerer Bedeutung. Und die Verlage, die hier ihren Sitz haben, arbeiten ja auch mit großem Erfolg für die gesamte spanischsprachige Welt. Die Bücher, die von katalanischen Verlagen in katalanischer Sprache veröffentlicht werden, machen etwas mehr als 20 Prozent der in der Region verlegten Bücher aus.

Gibt es Unterschiede in der Wachstumsdynamik?

Comas: Nun, grundsätzlich ist zu sagen, dass nach der Aufhebung des Katalanisch-Verbots, das die Franco-Regierung ausgesprochen hatte, natürlich zunächst eine Explosion der Publikationen auf Katalanisch erfolgte. Es gab halt viel nachzuholen. Seit den 90er Jahren hat sich die Situation für Bücher in katalanischer Sprache der allgemeinen Situation angepasst: Geringes Wachstum, der Markt ist reif und gesättigt.

Gibt es staatlicherseits Subventionen?
Comas: Grundsätzlich gibt es seitens der Regionalregierung zwei Wege zur Unterstützung von Büchern in katalanischer Sprache. Zum einen werden von jedem in katalanischer Sprache veröffentlichten Buch 250 Exemplare angekauft. Zum anderen steht den Bibliotheken in der Region ein ordentliches Budget zur Verfügung, mit dem sie nach eigener Auswahl Bücher ankaufen können. Es gibt also keine Produktionssubvention im eigentlichen Sinne, aber durch den Ankauf wird das Verlegen  von vielen Büchern überhaupt erst ermöglicht.

Welche Bilanz ziehen Sie aus dem Auftritt in Frankfurt 2007?
Comas: Frankfurt war eine Chance, um ein Schlaglicht auf Katalonien zu werfen, und die Verlage haben diese Chance genutzt. Frankfurts hat eine  starke Verlagsindustrie sichtbar gemacht, die eine große Ausstrahlung nach Lateinamerika hat und starken Wurzeln in der katalanischen Kultur und Geschichte hat.

Katalonien und die formal getrennten, kulturell aber zugehörigen Regionen Valencia und Balearen, produzieren rund ein Drittel der in Spanien verlegten knapp 80.000 Titel und verweisen damit die Region Madrid auf den zweiten Platz. Hier geht es zur Statistik [auf Spanisch].

Für die Förderung der katalanischen Kultur ist seit 2002 das Institut Ramon Llull zuständig.