(c) ehlingmedia 2011

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Wie viele Bibliotheken gibt es in Venezuela? Wie viele Kinderbücher werden in Kolumbien hergestellt? Wie ist es um bestellt um die Buchmärkte in Chile, Brasilien oder Ecuador? Wer nach Antworten auf solche Fragen sucht, für den gibt es seit 40 Jahren eine zuverlässige Auskunftsstelle: Der Centro Regional para el Formento del Libro en América Latina y el Caribe (CERLALC) mit Sitz in  Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens.  1971 wurde der Centro von der UNESCO gegründet, mit der Aufgabe, die Entwicklung von Bildung und Lesekompetenz in Lateinamerika zu fördern. Alle 20 Staaten Lateinamerikas sind Mitglieder der Organisation.

André Schiffrin bei der CERLALC-Veranstaltung zum internationalen Buchmarkt 2011 (c) FIL Guadalajara

André Schiffrin bei der CERLALC-Veranstaltung zum internationalen Buchmarkt 2011 (c) FIL Guadalajara

Für Buchmarkt-Beobachter ist besonders die Datensammlung von CERLALC von großer Bedeutung, die regelmäßig in groß angelegten „Panoramicos“ der Branche in Lateinamerika gesammelt und veröffentlicht werden. Innerhalb Lateinamerikas trägt CERLALC mit Initiativen, Studien und Workshops zur Entwicklung der Buchbranche bei – besonders der Schutz der Urheberrechte und der Kampf gegen die Piraterie sind dabei immer wieder auf der Agenda. Nicht zuletzt durch diese Art der Unterstützung ist es gelungen, in den großen Buchmärkten Lateinamerikas – Brasilien, Mexiko, Argentinien und Kolumbien – nationale Gesetzgebungen zum Schutz der Buchbranche zu etablieren. Dass dadurch die Probleme der Piraterie beseitigt wären, kann allerdings nicht behauptet werden.

Die Datensammlungen von CERLALC bilden eine wichtige Grundlage für solche gesetzgeberischen Initiativen: Erst wenn anhand von Zahlen und Fakten deutlich wird, welche wirtschaftliche Bedeutung einem Wirtschaftszweig zukommt, kann die Politik zum Handeln gebracht werden. Beim Blick in die jüngste Ausgabe der Datensammlung fällt dabei auf, wie intensiv der regionale Austausch der Buchbranche ist: Import und Export von Büchern geht durch sämtliche Warengruppen, von der Belletristik über Fachbücher bis zur Wissenschaft. Dies ist natürlich der gemeinsamen Sprache geschuldet – auch wenn die regionalen Ausprägungen des Spanischen zum Teil deutliche Unterschiede aufweisen. Brasilien als einziges nicht-spanischsprachiges Land der Region fällt hier natürlich heraus.

Besonders der Schulbuchsektor, der in einigen Ländern bis zu 90 Prozent der Buchproduktion auf sich vereint, ist für diesen Austausch, aber auch für die Ungleichgewichte ein gutes Beispiel: Schulbücher aus Mexiko werden bis nach Costa Rica geliefert; Argentinische Schulbücher finden bis nach Ecuador Verbreitung. Die starke Stellung spanischer Verlagskonzerne in allen Segmenten der Buchbranche wird durch den Blick auf die Importe deutlich. Mit dem RILVI, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher in Lateinamerika, verwaltet der CERLALC auch die einzige zuverlässige Quelle, mit der sich Buchhändler und Bibliotheken über die Ländergrenzen hinweg über die vorhandenen Bücher informieren können.

Neben diesen statistischen Daten und dem Kampf gegen die Piraterie hat der CERLALC den Wandel der Branche durch elektronische Bücher sehr hoch auf seine Agenda gesetzt. Noch ist die Verbreitung von Ebooks in Lateinamerika sehr gering – allerdings wird über die Nutzung dieses Mediums vor allem deshalb intensiv diskutiert, weil die physische Distribution von Büchern in den Ländern Lateinamerikas aufgrund der oft schlechten Verkehrs-Infrastruktur ein riesiges Problem darstellt. Lesen auf E-Readern oder Smartphones könnte hier eine echte Alternative bieten.

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